BIS Speech

Lagarde: Unabhängigkeit der Zentralbanken ist Garant für Preisstabilität

Historische Lehren für die Geldpolitik

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach am 22. November 2025 auf dem Europäischen Treffen der Trilateralen Kommission in Wien über die historische Entwicklung der Beziehung zwischen Zentralbanken und Regierungen.

Sie betonte, dass die operative Unabhängigkeit von Zentralbanken entscheidend für niedrige und stabile Inflationsraten ist.

Historische Beispiele, beginnend mit Napoleon Bonapartes Gründung der Banque de France, zeigen, dass eine zu starke staatliche Dominanz über die Zentralbank tendenziell zu Inflation führt.

Lagarde hob hervor, dass diese Erkenntnis über Jahrhunderte gewachsen ist und empirisch gut belegt ist.

Trotzdem bestehe stets die Sorge, dass kurzsichtige Regierungen versuchen könnten, Zentralbanken zur Staatsfinanzierung zu drängen, was den Lehren der Geschichte widerspricht und die Preisstabilität gefährden würde.

Debatte um fiskalische Dominanz

Lagardes Rede fällt in eine Zeit, in der die Diskussion um die Grenzen der Geldpolitik und die Rolle der Fiskalpolitik in Europa intensiv geführt wird.

Angesichts hoher Staatsverschuldung und des Bedarfs an Investitionen in Klimaschutz und Digitalisierung könnten Regierungen versucht sein, die Geldpolitik stärker in den Dienst ihrer fiskalischen Ziele zu stellen.

Die Betonung der Unabhängigkeit der EZB ist ein klares Signal an die Mitgliedstaaten, die fiskalische Verantwortung nicht auf die Zentralbank abzuwälzen.

Dies ist besonders relevant im Kontext der anstehenden Überprüfung der EU-Fiskalregeln und der anhaltenden Debatten über die Lastenverteilung zwischen Geld- und Fiskalpolitik zur Inflationsbekämpfung und Wachstumsförderung.

Klares Bekenntnis zur Unabhängigkeit

Die Rede von EZB-Präsidentin Lagarde ist ein klares und unmissverständliches Bekenntnis zur operativen Unabhängigkeit der Zentralbanken als Grundpfeiler der Preisstabilität.

Obwohl die Kernaussage nicht neu ist, dient sie als wichtige Mahnung an Regierungen und die Öffentlichkeit, die historischen Lehren aus der Beziehung zwischen Fiskal- und Geldpolitik nicht zu vergessen.

Sie unterstreicht die Notwendigkeit, fiskalische Disziplin zu wahren und die Zentralbank nicht für politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Der Text ist deskriptiv-normativ und liefert eine historische Begründung für die aktuelle EZB-Position, ohne jedoch konkrete neue geldpolitische Signale zu senden.

Original: Christine Lagarde: Fiscal policy and growth in Europe

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