Buch: Geopolitik entlarvt Schwächen der Bankenaufsicht
Risikoparadox und Geopolitik
EZB-Aufseherin Claudia Buch warnt vor den Grenzen traditioneller Risikomodelle angesichts sich schnell wandelnder Bedrohungen.
Das „Risikobewertungsparadox“ – die Abhängigkeit von Vergangenheitsdaten in unsicheren Zeiten – habe sich verschärft.
Konkrete geopolitische Szenarien seien eingetreten, Handelsunsicherheit steige, und Cyberattacken nähmen zu.
Buch fordert einen Mix aus analytischen Ansätzen und menschlichem Urteilsvermögen, um die langfristigen Effekte auf Banken zu erfassen.
Die EZB reagierte bereits im September 2024 mit einem Rahmenwerk zur Analyse geopolitischer Risiken.
Aufsicht im Dauerkrisenmodus
Seit der Finanzkrise ringen Aufsichtsbehörden mit der Frage, wie sie systemische Risiken frühzeitig erkennen können.
Buchs Rede unterstreicht, dass die traditionellen Werkzeuge in einer Welt, die von geopolitischen Schocks und technologischen Umbrüchen geprägt ist, an ihre Grenzen stoßen.
Die Forderung nach mehr Urteilsvermögen und diversen Modellen spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass reine Datenanalyse nicht ausreicht, um die Komplexität der modernen Finanzmärkte zu erfassen.
Mehr Urteilsvermögen, weniger Algorithmus
Buchs Analyse verdeutlicht die Herausforderung, die Aufsicht in einer Welt ständiger Umbrüche zu modernisieren.
Die Betonung von Urteilsvermögen und der Vergleich verschiedener Modelle ist ein Eingeständnis, dass reine quantitative Ansätze an ihre Grenzen stoßen.
Es ist ein Aufruf zur Anpassung der Methodik, weniger eine Ankündigung konkreter neuer Regeln, aber ein klares Signal für die strategische Ausrichtung der EZB-Aufsicht.