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EZB-Studie: Banken-Abzug aus TLTRO enthüllt Treiber der Liquiditätsnachfrage

TLTRO-Exit: Was Banken an EZB-Liquidität bindet

Ein Working Paper von Adina-Elena Fudulache (EZB/Goethe Universität Frankfurt) und María del Carmen Castillo Lozoya (Banco de España) analysiert die vorzeitigen Rückzahlungen der EZB-TLTROs nach der Rekalibrierung im Oktober 2022.

Die Autoren nutzen diesen „Exit“ als einzigartiges Labor, um die tatsächlichen Treiber der Bankennachfrage nach Zentralbankliquidität zu identifizieren.

Ihre Studie zeigt, dass Designmerkmale wie Laufzeit, Preis und Art der Sicherheiten sowie Bilanzmerkmale wie die aufsichtsrechtliche Bedeutung einer Bank, ihre Bilanzkapazität (Leverage Ratio) und Mindestreserveanforderungen entscheidende Faktoren sind.

Zudem entwickeln sie umfassende Liquiditätsindikatoren, die eine starke Verbindung zwischen der Nachfrage nach Zentralbankfinanzierung und der Erfüllung regulatorischer Liquiditätsquoten aufzeigen.

Banken mit höherem Liquiditätsrisiko während der TLTRO-Ausstiegsphase hatten demnach eine höhere Wahrscheinlichkeit, nach dem Ausstieg von der EZB-Liquidität abhängig zu werden.

Die Ergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung des neuen nachfragegesteuerten operativen Rahmens der EZB.

EZB-Rahmenwerk: Suche nach optimaler Liquidität

Die Studie erscheint in einer entscheidenden Phase, da die EZB ihr operatives Rahmenwerk überarbeitet und von einem Überschussliquiditätssystem zu einem nachfragegesteuerten Ansatz übergeht.

Die TLTROs waren ein zentrales Instrument zur Liquiditätsversorgung, und ihr Auslaufen bietet eine einzigartige Gelegenheit, das Verhalten der Banken unter realen Bedingungen zu studieren.

Die Erkenntnisse sind direkt relevant für die Festlegung des zukünftigen Gleichgewichtsniveaus der Zentralbankreserven und die Gestaltung langfristiger Refinanzierungsoperationen.

Besonders bemerkenswert ist die Analyse der „Liquiditätsabhängigkeit“, ein Phänomen, das im neuen Rahmenwerk eine größere Rolle spielen könnte und dessen frühzeitige Erkennung für die Finanzstabilität entscheidend ist.

Empirische Basis für EZB-Rahmenwerk-Reform

Dieses Working Paper liefert eine seltene empirische Analyse des Bankenverhaltens bei der Liquiditätsnachfrage unter einem realen geldpolitischen Schock.

Die Ergebnisse sind von hoher Relevanz für die laufende Überprüfung des EZB-Rahmenwerks, da sie konkrete Treiber der Liquiditätsnachfrage identifizieren und Hinweise für die Gestaltung zukünftiger Refinanzierungsoperationen geben.

Die Analyse der „Liquiditätsabhängigkeit“ bietet zudem wichtige Einblicke in potenzielle Schwachstellen des neuen Systems.