BIS Speech

500 Prozent Zins: Schwedens Lehrstück für die Inflation

Als 500 Prozent Zins nicht reichten

Erik Thedéen zeichnet die dramatische Geburtsstunde der schwedischen Inflationssteuerung nach.

Am 16. September 1992 hob die Riksbank den Leitzins auf extreme 500 Prozent an, um den festen ECU-Wechselkurs zu verteidigen – ein verzweifelter, aber vergeblicher Versuch.

Nur Wochen später gab sie das Ziel auf, ließ die Krone frei floaten und fand in der 2-Prozent-Inflation ihr neues geldpolitisches Fundament.

Diese historische Zäsur, ein Lehrstück in Krisenmanagement und Strategiewechsel, teilt Thedéen nun mit der Nationalbank der Ukraine, die selbst vor enormen Herausforderungen steht.

Zentralbanken im Austausch

Die Riksbank und die NBU pflegen seit Jahren eine enge Zusammenarbeit, die sich seit der russischen Invasion intensiviert hat.

Thedéens Rückblick auf Schwedens geldpolitisches Trauma von 1992 – der gescheiterte Versuch, einen Wechselkurs zu verteidigen, und die anschließende Hinwendung zur Inflationssteuerung – ist nicht nur eine historische Anekdote.

Es ist ein Angebot an die NBU, aus den Erfahrungen einer Notenbank zu lernen, die selbst extreme Krisen gemeistert und ihre Strategie neu ausgerichtet hat.

Die Geburt einer Doktrin

Thedéen liefert keine neuen geldpolitischen Signale für Schweden, sondern eine prägnante Geschichtsstunde.

Für die NBU und andere Notenbanken in Schwellenländern, die ihre geldpolitische Strategie überdenken, ist die schwedische Erfahrung von 1992 jedoch eine wertvolle Blaupause.

Sie zeigt, wie aus einer extremen Krise eine neue, tragfähige Doktrin entstehen kann.