BIS Paper

Familienpolitik: Firmenreaktionen schaffen Zielkonflikt bei Fertilität und Einkommen

Geburtenrate steigt, Einkommen sinkt: Der Zielkonflikt

Ein aktuelles Working Paper des Banco de España, veröffentlicht von der BIS, untersucht die Wirksamkeit familienfreundlicher Maßnahmen auf Geburtenraten und Arbeitsmarktergebnisse, unter besonderer Berücksichtigung der Reaktionen von Unternehmen.

Die Autoren zeigen anhand eines Such- und Matching-Modells, geschätzt mit spanischen Daten, dass viele familienfreundliche Politiken einen Zielkonflikt erzeugen: Maßnahmen, die die Geburtenrate erhöhen (z.B. längere Elternzeit, Kinderzuschüsse), führen oft zu geringerer Arbeitsmarktpartizipation und niedrigeren Lebenseinkommen von Frauen, da Unternehmen höhere Kosten fürchten und weniger Frauen einstellen oder befördern.

Umgekehrt steigern Politiken, die das Einkommen erhöhen, die Geburtenrate nicht.

Einzige Ausnahme sind Beförderungssubventionen, die sowohl Fertilität als auch Einkommen verbessern, indem sie Ineffizienzen bei der Beförderung von Frauen adressieren.

Demografischer Wandel: Firmen als Schlüsselakteur

Die Studie reiht sich in die globale Debatte um sinkende Geburtenraten, alternde Gesellschaften und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein.

Sie ist besonders relevant für Länder mit niedriger Fertilität und starren Arbeitsmärkten wie Spanien, das als Untersuchungsfeld dient.

Die Arbeit ist bemerkenswert, da sie im Gegensatz zu vielen früheren Studien explizit die Entscheidungen von Unternehmen (Einstellung, Beförderung, Entlassung) in Reaktion auf familienfreundliche Politiken modelliert.

Dies beleuchtet oft unbeabsichtigte Nebenwirkungen und Zielkonflikte, die bei der Gestaltung von Sozial- und Arbeitsmarktpolitik berücksichtigt werden müssen, um die gewünschten Effekte zu erzielen.

Modell zeigt Fallstricke der Familienpolitik

Das Working Paper bietet eine fundierte Analyse eines hochaktuellen Themas.

Die Modellierung der Firmenreaktionen ist ein entscheidender Fortschritt, der die Komplexität von familienfreundlichen Politiken aufzeigt und naive Annahmen widerlegt.

Die Identifizierung von Beförderungssubventionen als potenziellen „Win-Win“-Ansatz ist eine wichtige politische Implikation.

Obwohl es sich um ein Forschungspapier handelt und keine direkte Policy-Ankündigung, liefert es wertvolle Erkenntnisse für Zentralbanker und politische Entscheidungsträger, die sich mit demografischen Herausforderungen und Arbeitsmarktstrukturen befassen.