Nagel: Deutschland und Korea teilen globale Risikofaktoren
Gemeinsame Herausforderungen für Exportnationen
Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, skizzierte in einer Sonderlesung an der Yonsei Universität in Seoul am 1. Dezember 2025 die gemeinsamen wirtschaftspolitischen Herausforderungen für Deutschland und Südkorea.
Beide Nationen sind exportorientiert, verfügen über große Fertigungsindustrien und sind tief in globale Wertschöpfungsketten integriert, was sie anfällig für Handels- und geopolitische Risiken macht, insbesondere im Kontext der USA und Chinas.
Zudem sind beide stark von Energieimporten abhängig (Deutschland 70%, Südkorea 85%), was sie anfällig für globale Energiepreisschocks macht.
Eine rasch alternde Bevölkerung und niedrige Geburtenraten (Deutschland 1,4, Südkorea 0,7) belasten zudem Arbeitsangebot und öffentliche Finanzen.
Blick auf strukturelle Risiken im globalen Handel
Nagels Ausführungen reihen sich in die globale Debatte über die Resilienz von Lieferketten und die Auswirkungen demografischer Veränderungen ein.
Die Betonung der strukturellen Ähnlichkeiten zwischen zwei so unterschiedlichen geografischen Regionen wie Deutschland und Südkorea unterstreicht die universelle Natur dieser Herausforderungen für hochentwickelte Exportnationen.
Während Zentralbanker oft über kurzfristige Inflations- und Zinsentwicklungen sprechen, lenkt Nagel den Blick auf langfristige, fundamentale Risikofaktoren, die über die Geldpolitik hinausgehen und fiskalische sowie strukturpolitische Antworten erfordern.
Dies ist bemerkenswert, da es die Grenzen der Geldpolitik indirekt aufzeigt.
Bekannte Risiken, neue Perspektive
Die Rede Nagels bietet eine solide Analyse bekannter struktureller Herausforderungen, die für exportorientierte Volkswirtschaften relevant sind.
Sie liefert jedoch keine neuen geldpolitischen Signale oder konkrete Handlungsanweisungen, was die Bewertung der Signalstärke auf 'deskriptiv' reduziert.
Die Relevanz liegt in der vergleichenden Perspektive auf Deutschland und Südkorea, die die globale Vernetzung und die gemeinsamen Verwundbarkeiten hervorhebt.
Für Spezialisten, die sich mit langfristigen Wirtschaftsstrukturen befassen, bietet der Text eine gute Zusammenfassung, ohne jedoch marktbewegende Neuigkeiten zu enthalten.