Nicht-homothetische Präferenzen: Nachfragekanal der Inflation neu bewertet
Nachfrageeffekte in Inflationsmodellen unterschätzt
Das Working Paper der Bank of Canada untersucht die Rolle von Nachfragefaktoren bei der Inflation, insbesondere nach der Pandemie.
Es kritisiert, dass gängige Neukeynesianische Modelle mit konstanter Substitutionselastizität (CES) der Nachfrage keine unabhängige Rolle für die Konsumnachfrage bei der Preisbildung zugestehen.
Dies widerspricht jedoch der Beobachtung, dass Unternehmen ihre Preise auch aufgrund der Nachfragestärke anpassen.
Der Autor schlägt ein Modell mit nicht-homothetischen Präferenzen vor, bei dem die Substitutionselastizität zwischen Gütern vom Pro-Kopf-Konsum abhängt.
Konsumenten sind demnach in Wirtschaftsbooms weniger preissensibel, was Unternehmen Anreize gibt, ihre Aufschläge prozyklisch anzupassen.
Dies führt zu einer nicht-linearen Abhängigkeit der gewünschten Aufschläge von der Konsumnachfrage und einer zustandsabhängigen Weitergabe von Kostenschocks.
Eine Schätzung des Modells mit kanadischen Daten zeigt, dass es die Kerninflation 2021-22 besser abbilden kann, insbesondere in seiner nicht-linearen Form.
Implikationen für Geldpolitik und Inflationsanalyse
Dieses Working Paper stellt eine wichtige Herausforderung für die gängigen Neukeynesianischen Modelle dar, die von vielen Zentralbanken zur Inflationsanalyse verwendet werden.
Es bietet einen plausiblen Mechanismus, wie die Konsumnachfrage direkt und nicht-linear die Preisbildung und somit die Inflation beeinflusst – ein Aspekt, der in Standardmodellen oft unterrepräsentiert ist.
Die Erkenntnisse sind besonders relevant für die aktuelle Debatte über die Ursachen der postpandemischen Inflation und könnten die geldpolitische Reaktion auf zukünftige Nachfrageschocks beeinflussen, indem sie eine direktere Rolle der Nachfrage bei der Inflationsdynamik aufzeigen.
Modellkritik mit Relevanz für Inflationsprognosen
Das Papier hinterfragt eine zentrale Annahme in den von Zentralbanken genutzten Inflationsmodellen und bietet einen neuen Kanal für die Nachfragewirkung auf Preise.
Dies ist entscheidend für ein tieferes Verständnis der Inflationsdynamik und die Verbesserung von Prognosemodellen.
Die Ergebnisse sind jedoch vorerst rein akademischer Natur und spiegeln nicht die offizielle Haltung der Bank of Canada wider, weshalb die Signalstärke gering ist.