BIS Paper

Studie: Höhere Staatsverschuldung verteuert Zinsen deutlich stärker

Schulden-Zins-Effekt: Wahlen als Kausalitäts-Test

Ein aktuelles Working Paper von Gabriel Ehrlich, Owen Kay und Aditi Thapar, veröffentlicht von der BIS, untersucht den kausalen Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und realen Zinsen.

Die Autoren nutzen knappe Parlamentswahlen als natürliche Experimente, um endogene Faktoren zu isolieren.

Ihre Analyse zeigt, dass eine Regierung ohne klare Mehrheit das Schulden-BIP-Verhältnis um 17 Prozentpunkte erhöht und die realen Zinsen um 99 Basispunkte steigen lässt.

Daraus leiten sie ab, dass ein Anstieg des Schulden-BIP-Verhältnisses um einen Prozentpunkt die realen Zinsen um 5,8 Basispunkte erhöht.

Dieser Wert ist deutlich höher als die meisten früheren Schätzungen von 2-4 Basispunkten und deutet darauf hin, dass umgekehrte Kausalität – also niedrige Zinsen, die zu höherer Verschuldung anregen – in früheren Studien eine Rolle gespielt haben könnte.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit fiskalischer Disziplin.

Schulden-Zins-Debatte erhält neue Impulse

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse in einer Zeit, in der die Staatsverschuldung weltweit Rekordhöhen erreicht und Zentralbanken mit hoher Inflation und steigenden Zinsen ringen.

Die Interaktion von Fiskal- und Geldpolitik, insbesondere die Sorge vor fiskalischer Dominanz, ist eine zentrale Debatte.

Die höhere Schätzung der Schuldensensitivität der Zinsen (DSIR) als bisher angenommen, verstärkt die Argumente für fiskalische Konsolidierung und könnte die Diskussion über die langfristige Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen neu anfachen.

Die methodische Stärke durch die Nutzung von Parlamentswahlen als exogene Schockquelle ist bemerkenswert und adressiert zentrale Endogenitätsprobleme früherer Forschung.

Methodisch stark, politisch hochrelevant

Dieses Working Paper ist methodisch herausragend, da es durch den Einsatz von Regression Discontinuity Design eine kausale Schätzung des Einflusses von Staatsverschuldung auf reale Zinsen liefert.

Die signifikant höhere Schätzung der Schuldensensitivität im Vergleich zu früheren Studien ist eine wichtige Erkenntnis, die die Debatte über fiskalische Nachhaltigkeit und die Interaktion von Fiskal- und Geldpolitik maßgeblich beeinflussen wird.

Eine Pflichtlektüre für alle, die sich mit makroökonomischen Risiken und der Zukunft der öffentlichen Finanzen beschäftigen.