Chiles Notenbank: Ein Jahrhundert Kampf um Stabilität und Autonomie
Von Hyperinflation zur 3%-Zielmarke
Rosanna Costa, Gouverneurin der chilenischen Zentralbank, zeichnet anlässlich des 100-jährigen Bestehens die turbulente Geschichte ihrer Institution nach.
Von anfänglicher Geldknappheit und fiskalischer Dominanz, die in den 1970er Jahren zu einer Hyperinflation von 750% führte, bis zur hart erkämpften Autonomie, die 1989 gesetzlich verankert wurde.
Heute ruht die Bank auf den Säulen funktioneller, organischer, finanzieller Autonomie sowie Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Mit einem mittelfristigen Inflationsziel von 3% und einem flexiblen Wechselkurs sieht sich die Bank für die Herausforderungen der Digitalisierung gerüstet, die das Konzept des Geldes neu definieren.
Die Lehren aus fiskalischer Dominanz
Die Geschichte der chilenischen Zentralbank spiegelt die Entwicklung vieler Notenbanken in Schwellenländern wider, die sich von staatlicher Einflussnahme emanzipieren mussten.
Die schmerzhaften Erfahrungen mit Hyperinflation und Finanzkrisen, wie sie Costa beschreibt, waren oft der Katalysator für die Einführung von Autonomie und klaren Mandaten.
Chiles Weg zur Preisstabilität und Finanzmarktintegration ist ein Lehrstück für die Bedeutung institutioneller Unabhängigkeit in der Geldpolitik, die auch heute noch in vielen Regionen umstritten ist.
Autonomie als hart erkämpftes Gut
Costas Rede ist eine prägnante Lektion in Zentralbankgeschichte, die die fundamentalen Prinzipien moderner Geldpolitik durch konkrete, oft schmerzhafte Erfahrungen untermauert.
Sie liefert keine neuen geldpolitischen Signale, festigt aber das Vertrauen in die institutionelle Verankerung von Stabilität und Unabhängigkeit – ein wichtiges Signal in unsicheren Zeiten.