Zentralbank-Puzzle: Steigende Zinsen, fallende Realzinsen – neue Messung der Geldpolitik
Realzins-Puzzle: Wenn Zinsanhebungen nicht wirken
Ein neues Forschungspapier der BIS untersucht das paradoxe Phänomen, dass Realzinsen unmittelbar fallen können, obwohl eine Zentralbank die Leitzinsen anhebt.
Dies stellt die Verlässlichkeit der traditionellen Lücke zwischen Realzins und natürlichem Zins (r-star) als geldpolitischen Indikator in Frage.
Das "Kapital-Puzzle" entsteht, wenn endogene Variablen wie Kapital stark auf dauerhafte geldpolitische Schocks reagieren und Inflationserwartungen abrupt verschieben.
Dadurch wird der erwartete Teil der Politik dominant und kehrt den Effekt der unerwarteten Aktion um.
Konventionelle Messgrößen können die wahre geldpolitische Haltung, insbesondere in Krisenzeiten, irreführend darstellen.
Das Papier schlägt eine neue, zustandsinvariante Realzinslücke vor, die Schocks auf endogene Zustandsvariablen neutralisiert.
Diese neue Messgröße erwies sich in US-Daten (1965-2023) als besserer Prädiktor für die zukünftige Inflation und als zuverlässigeres Instrument zur Beurteilung der geldpolitischen Haltung.
Geldpolitik-Analyse in Krisenzeiten
Dieses Papier ist für Zentralbanken von großer Bedeutung, da es die grundlegende Funktionsweise der Geldpolitik und die Messung ihrer Auswirkungen neu bewertet.
Insbesondere in Zeiten von Krisen wie Pandemien, Finanzkrisen oder Handelskriegen, in denen die Interpretation des natürlichen Zinses (r-star) und der Realzinslücke erschwert ist, bietet die Studie eine klarere Erklärung, wie Zentralbanken die Inflation beeinflussen.
Die Einführung der zustandsinvarianten Realzinslücke könnte die Analyse der geldpolitischen Haltung und die Inflationsprognose erheblich verbessern, was für die Entscheidungsfindung und Kommunikation von Zentralbanken unerlässlich ist.
Fundamentale Neubewertung der Geldpolitik
Relevanz (4): Das Papier hinterfragt fundamentale Annahmen zur Transmission von Geldpolitik und zur Messung ihrer Wirkung.
Die vorgeschlagene neue Messgröße der geldpolitischen Haltung ist für die Analyse und Inflationsprognose von Zentralbanken hochrelevant, insbesondere in volatilen Zeiten.
Signalstärke (2): Es handelt sich um eine technische Analyse, die ein ökonomisches Rätsel erklärt und ein neues Messinstrument vorschlägt.
Es enthält keine direkten geldpolitischen Ankündigungen oder Forward Guidance.
Original: The capital puzzle
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