Bailey warnt vor langsamerem Wachstum: Alterung, Protektionismus und die Hoffnung auf KI
BOE-Chef skizziert neue Realität der Angebotsseite
Andrew Bailey, Gouverneur der Bank of England, reflektiert in seiner Rede vom 18. Oktober 2025 über 40 Jahre bei der Bank und zieht Parallelen zur Wirtschaftsgeschichte.
Er betont eine fundamentale Verschiebung von Nachfrage- zu schnelleren, größeren Angebotsschocks (Covid, Ukraine, Zölle).
Die potenzielle Wachstumsrate des Vereinigten Königreichs sei von 2,5% auf 1,5% gesunken, primär durch geringeres Produktivitätswachstum und Bevölkerungsalterung.
Bailey leitet aus der Geschichte vier Lehren ab: die zentrale Rolle der Angebotsseite, wellenförmiges Wachstum durch General Purpose Technologies (wie KI), ungleichmäßige sektorale Entwicklung und die Relevanz von Malthus, Smith und Schumpeter für heutige Herausforderungen.
Er warnt, dass Alterung (Malthus invers) und Handelsschranken (anti-Smith) das Wachstum bremsen, wodurch die Hoffnung auf Schumpeter'sche Innovationen wie KI ruht, die jedoch auch Finanzstabilitätsrisiken bergen.
Zentralbanken ringen mit strukturellen Bremsfaktoren
Baileys Rede reiht sich in eine wachsende Debatte unter Zentralbankern und Ökonomen ein, die sich mit den langfristigen Treibern und Bremsfaktoren des Wirtschaftswachstums auseinandersetzen.
Nach Jahren niedrigen Wachstums und der jüngsten Inflationswelle rücken strukturelle Fragen wie Demografie, Produktivität und Globalisierung wieder stärker in den Fokus.
Seine explizite Einschätzung der negativen Auswirkungen des Brexit auf das britische Wachstum – auch wenn er eine langfristige Anpassung erwartet – ist bemerkenswert für einen amtierenden Zentralbankgouverneur und dürfte die innenpolitische Debatte neu anfachen.
Die Betonung von KI als potenzieller "General Purpose Technology" spiegelt die aktuelle Hoffnung wider, dass technologische Innovation die strukturellen Gegenwinde überwinden kann.
Fundamentale Analyse mit politischer Note
Die Rede bietet eine tiefgehende, historisch fundierte Analyse der strukturellen Herausforderungen für die Weltwirtschaft und die Geldpolitik.
Baileys offene Einschätzung der negativen Brexit-Auswirkungen ist ein starkes, wenn auch implizites Signal über die Grenzen politischer Entscheidungen für die Wirtschaft.
Obwohl keine direkten geldpolitischen Ankündigungen gemacht werden, liefert die Diagnose eines dauerhaft niedrigeren Potenzialwachstums wichtige Orientierung für die langfristige Strategie der Bank of England und anderer Zentralbanken.