EZB-Studie: Fiskalpolitik im Euroraum kontert Geldpolitik – QE dämpfte Effekt 1999-2019
Fiskalpolitik als Gegenpol zur Geldpolitik
Eine neue EZB-Studie von Guido Wolswijk zeigt, dass die Fiskalpolitik im Euroraum zwischen 1999 und 2019 meist substitutiv zur Geldpolitik agierte: Eine straffere Geldpolitik führte zu einer lockereren Fiskalpolitik und umgekehrt.
Dieser Effekt schwächte sich jedoch während der quantitativen Lockerung (QE) der EZB ab und wurde neutral oder leicht komplementär.
Die Analyse, basierend auf fiskalischen Reaktionsfunktionen und Schattenzinssätzen für zehn Euro-Länder, ergab zudem, dass Regierungen auf hohe Staatsschulden mit Haushaltsüberschüssen reagieren und in Rezessionen antizyklisch agieren.
Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Kalibrierung der Geldpolitik zur Preisstabilität.
Interaktion von Fiskal- und Geldpolitik
Die Wechselwirkung zwischen Fiskal- und Geldpolitik im Euroraum ist ein zentrales, aber quantitativ wenig beleuchtetes Feld.
Angesichts steigender Staatsschulden und der Diskussion um fiskalische Dominanz, die die Preisstabilität gefährden könnte, liefert die Studie wichtige Einblicke.
Eine effektive antizyklische Fiskalpolitik kann zudem den Einsatz geldpolitischer Instrumente reduzieren.
Die Ergebnisse sind daher von hoher Relevanz für die Feinjustierung der EZB-Geldpolitik und die Stabilität der öffentlichen Finanzen.
Neue Perspektive auf Politik-Interaktion
Die Studie schließt eine Forschungslücke, indem sie die Reaktion der Fiskalpolitik auf die Geldpolitik quantifiziert.
Die Erkenntnis, dass Fiskalpolitik oft substitutiv wirkt, aber der QE-Effekt dies dämpfte, ist für die Kalibrierung der Geldpolitik entscheidend.
Sie liefert zudem Evidenz für fiskalische Nachhaltigkeit und antizyklisches Verhalten, was die Diskussion um fiskalische Dominanz und die Effektivität der Geldpolitik präzisiert.