EZB-Studie: Sichere Anlagen dämpfen Vermögensungleichheit trotz steigender Kurse
Sichere Assets: Umverteilung ohne direkte Transfers
Ein aktuelles Working Paper des ECB Lamfalussy Fellowship Programme von Xitong Hui stellt die konventionelle Annahme infrage, dass steigende Assetpreise und fallende Zinsen die Vermögensungleichheit stets verstärken.
Die Studie zeigt, dass eine Ausweitung sicherer Anlagen – etwa durch Finanzinnovationen, Staatsverschuldung oder stabile Blasen – die Ungleichheit reduzieren kann, selbst wenn risikoreiche Vermögenswerte im Wert steigen.
Der Mechanismus: Sichere Assets senken das undiversifizierte Risiko von Unternehmern, komprimieren Risikoprämien und erhöhen den Zinssatz.
Dies verlangsamt die Vermögensakkumulation von Unternehmern und verteilt Reichtum an traditionelle Sparer um.
Sparer profitieren eindeutig, während das Wohlergehen von Unternehmern vom aktuellen Vermögensanteil abhängt.
Neue Perspektive auf Ungleichheit und Geldpolitik
Das Papier greift eine zentrale Debatte auf: den Zusammenhang zwischen steigenden Assetpreisen, fallenden Zinsen und wachsender Vermögensungleichheit.
Es stellt die gängige Sichtweise infrage, die diese Trends als unweigerlich zugunsten der Reichen interpretiert.
Die Studie ist bemerkenswert, da sie einen neuen Mechanismus zur Umverteilung ohne direkte Transfers vorschlägt und damit die Diskussion um die Rolle von Staatsverschuldung und Finanzinnovationen erweitert.
Sie ergänzt die Literatur zum globalen Mangel an sicheren Anlagen und deren Auswirkungen auf Zinsen und Wohlstandverteilung, indem sie diese in einem dynamischen Generalgleichgewichtsmodell mit heterogenen Akteuren analysiert.
Wichtige Studie mit neuen Erkenntnissen
Das Working Paper bietet eine hochrelevante, kontraintuitive Perspektive auf die Vermögensungleichheit und die Rolle von Assetpreisen.
Die Modellierung sicherer Assets als redistributives Instrument ist innovativ und hat signifikante Implikationen für Fiskal- und Finanzmarktpolitik.
Für institutionelle Investoren und Policy-Experten liefert es neue Denkansätze zur Bewertung von Markt- und Wohlstandsdynamiken, auch wenn es sich um eine akademische Arbeit und keine offizielle EZB-Position handelt.