Klimawandel: Firmenrigiditäten vervielfachen Produktivitätsverluste
Klimaeffekte auf Produktivität unterschätzt
Eine neue Studie der EZB beleuchtet die komplexen Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesamtproduktivität.
Neben direkten Produktivitätsverlusten durch extreme Hitze (z.B. reduzierte Arbeitseffizienz) sind indirekte Effekte durch die begrenzte Anpassungsfähigkeit von Unternehmen entscheidend.
Hohe Anpassungskosten und Finanzierungsengpässe hindern Firmen, Kapital flexibel anzupassen, was zu ineffizienter Ressourcennutzung und sinkender Grenzproduktivität führt.
Eine Modellierung zeigt, dass bei einem Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2°C die Gesamtproduktivität um 1,68% sinkt – viermal mehr als bei naiven Schätzungen.
Bei 4°C sind es sogar 6,81%.
Anpassungsstrategien können Schäden um 20-30% reduzieren.
Die Analyse hebt zudem hervor, dass ärmere Regionen voraussichtlich stärker betroffen sein werden, was bestehende Ungleichheiten verschärft.
Die Integration firmenspezifischer Dynamiken in Klimamodelle ist für präzisere Risikobewertungen unerlässlich.
Klimarisiken für Wirtschaft und Geldpolitik
Die Europäische Zentralbank (EZB) und andere Zentralbanken widmen dem Klimawandel wachsende Aufmerksamkeit, da er erhebliche Risiken für die Preisstabilität und die Finanzstabilität birgt.
Die hier vorgestellten Forschungsergebnisse unterstreichen, wie Klimaschocks über mikroökonomische Kanäle die Gesamtproduktivität beeinflussen und Inflationsdruck erzeugen können.
Dies ist besonders relevant im Kontext des EU Green Deal und der COP-Ziele, die ambitionierte Klimaziele setzen.
Das Verständnis dieser Mechanismen ist entscheidend, um die Resilienz der Wirtschaft zu stärken und effektive geldpolitische Reaktionen auf klimabedingte Schocks zu entwickeln.
Verstärkte Klimarisikobewertung nötig
Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für Zentralbanken, indem sie aufzeigt, wie firmenspezifische Rigiditäten die makroökonomischen Auswirkungen des Klimawandels verstärken.
Die Ergebnisse sind relevant für die Einschätzung zukünftiger Produktivitätsentwicklungen, Inflationsrisiken und regionaler Ungleichheiten.
Die Notwendigkeit gezielter Anpassungsstrategien und die Berücksichtigung mikroökonomischer Details in makroökonomischen Modellen sind klare Signale für die weitere Forschung und Politikgestaltung im Bereich Klimarisiken.
Original: Climate change, firms and aggregate productivity
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