ECB Paper

EZB-Studie: Makro-Finanz-Modell klärt Rätsel um natürlichen Zins

Natürlicher Zins: Präziser und konsistenter

Ein neues Working Paper der EZB von Brand, Goy und Lemke stellt ein makro-finanzielles Modell vor, das das „Rätsel des natürlichen Zinses“ löst.

Es integriert die makroökonomische Rolle von r_t (Schließung der Output-Lücke) mit seiner finanzwirtschaftlichen Funktion (Anker der Zinskurve).

Die Schätzungen für die USA (1961-2019) zeigen einen präziseren Verlauf von r_t mit einem Anstieg und Fall über sechs Jahrzehnte, insbesondere niedrig in den 1960ern, 70ern und nach der globalen Finanzkrise.

Die Unsicherheitsbänder sind deutlich enger als bei etablierten Methoden.

Längerfristige Realzinslücken (z.B. 10 Jahre) erklären Output-Lücken besser.

Zudem zeigen Termprämien ein zyklischeres Verhalten statt eines stetigen Rückgangs, wenn der stochastische Trend in r_t berücksichtigt wird.

Debatte um den neutralen Zins neu belebt

Die Schätzung des natürlichen Realzinses (r_t) ist für Zentralbanken von zentraler Bedeutung, da er als Indikator für den neutralen geldpolitischen Kurs dient.

Bisherige Ansätze lieferten oft widersprüchliche Ergebnisse aus makroökonomischer und finanzwirtschaftlicher Sicht, das sogenannte „natural rate puzzle“.

Dieses Papier der EZB bietet eine innovative, integrierte Lösung, die die Debatte um die langfristigen Treiber von Zinsen und die Kalibrierung der Geldpolitik neu belebt.

Die präziseren Schätzungen und die verbesserte Erklärung der Output-Lücken durch längerfristige Zinsen sind für Policy-Experten und Investoren gleichermaßen relevant, um die zukünftige Ausrichtung der Geldpolitik besser einschätzen zu können.

Fundamentale Methodik-Verbesserung

Das Working Paper liefert einen wichtigen methodischen Fortschritt bei der Schätzung des natürlichen Zinses, einem Schlüsselkonzept für die Geldpolitik.

Die Auflösung des „natural rate puzzle“ und die erhöhte Präzision der Schätzungen sind von hohem Wert für Analysten und Zentralbanker.

Obwohl es sich um eine deskriptive Analyse handelt und keine direkten Policy-Empfehlungen ausgesprochen werden, bietet das Modell ein verbessertes Werkzeug zur Beurteilung des geldpolitischen Spielraums und der Zinskurvendynamik.