Klimarisiken und Staatsanleihen: Ratingagenturen reagieren, aber mit Vorsicht
Klimarisiken beeinflussen Staatsratings nur teilweise
Eine EZB-Studie zeigt, dass Kreditratingagenturen (CRAs) Klimarisiken teilweise in Staatsratings integrieren.
Höhere Temperaturabweichungen und Naturkatastrophen (physische Risiken) führen zu niedrigeren Ratings, ihr Gesamteinfluss ist jedoch gering.
Seit dem Pariser Abkommen 2015 werden ambitionierte CO2-Ziele und Emissionsreduktionen mit besseren Ratings belohnt, was auf eine erhöhte Aufmerksamkeit für Übergangsrisiken hindeutet.
Hoch verschuldete Länder und solche, die von fossilen Brennstoffen abhängen, erhalten niedrigere Ratings, während Exporteure kritischer Übergangsmaterialien höhere Ratings erhalten.
Die Ergebnisse mahnen zur Vorsicht bei der Nutzung von Ratings für Regulierungs- und Makropolitik, da Umweltaspekte nur unzureichend berücksichtigt werden.
Implikationen für Finanzstabilität und Geldpolitik
Diese Forschung ist für Zentralbanken von hoher Relevanz, da Staatsratings eine zentrale Rolle bei der Bewertung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Staatsschulden spielen und in regulatorischen sowie geldpolitischen Rahmenwerken verwendet werden.
Eine unzureichende Berücksichtigung von Klimarisiken in Ratings könnte zu einer Fehlbepreisung von Vermögenswerten führen, was die Finanzstabilität gefährden und plötzliche Herabstufungen sowie Wertverluste auslösen könnte.
Zudem könnten Zentralbanken bei der Akzeptanz von Staatsanleihen als Sicherheiten unwissentlich höhere Klimarisiken eingehen, als die Ratings suggerieren.
Wichtige Erkenntnisse für Risikobewertung
Die Studie liefert deskriptive, aber wichtige Erkenntnisse über die Integration von Klimarisiken in Staatsratings.
Obwohl sie keine direkte Policy-Ankündigung ist, beleuchtet sie systemische Schwachstellen in der Risikobewertung, die für die Finanzstabilität und die geldpolitische Steuerung relevant sind.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit für Zentralbanken, die Klimarisikobewertung zu vertiefen und die Grenzen aktueller Ratings zu verstehen, um Fehlentwicklungen vorzubeugen.