ECB-Studie: Neue Methode erkennt Liquiditätsspiralen frühzeitig – Südafrika-Daten zeigen 'robust-yet-fragile' System
Das 'robust-yet-fragile' Finanzsystem
ECB-Ökonomen Garbrand Wiersema, Esti Kemp und J. Doyne Farmer stellen in einem Working Paper (No 3169, veröffentlicht am 12. Januar 2026) eine neue Methode zur Früherkennung von Liquiditätsspiralen vor, die vor dem Einbruch von Aktienkursen und dem Austrocknen der Funding-Märkte warnt.
Die Studie zeigt, dass diese Spiralen oft unterschätzt oder übersehen werden, wenn Interaktionen zwischen verschiedenen Ansteckungskanälen oder zwischen Banken und Nichtbanken (NBFIs) ignoriert werden.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Liquidationsstrategie von Institutionen: Das Abstoßen der liquidesten Assets zuerst kann zu einem "robust-yet-fragile" System führen, das kleinen Schocks standhält, aber bei größeren schnell kollabiert.
Angewandt auf den südafrikanischen Finanzsektor, belegt die Analyse, dass Zentralbank-Interventionen gezielt erfolgen müssen, da eine Liquiditätsspritze in einem Sektor den durch einen anderen Sektor verursachten Spiral nicht stoppen kann.
Interaktionen im Fokus der Aufsicht
Die Finanzkrise 2007-2008 hat die Gefahren von Liquiditätsspiralen und systemischen Risiken drastisch vor Augen geführt.
Seitdem suchen Zentralbanken und Regulierer nach besseren Frühwarnsystemen und makroprudenziellen Instrumenten.
Dieses Working Paper adressiert genau diese Lücke, indem es die komplexen Interaktionen zwischen verschiedenen Finanzakteuren – insbesondere auch Nichtbanken – in den Fokus rückt.
Die Erkenntnisse sind relevant für die Gestaltung gezielter Interventionen zur Finanzstabilität und die Bewertung der Resilienz von Finanzsystemen weltweit, einschließlich des Euroraums.
Früherkennung und gezielte Interventionen
Die Studie liefert eine innovative Methode zur Früherkennung von Liquiditätsspiralen, die über traditionelle Stresstests hinausgeht.
Die Betonung der Interaktionen zwischen Banken und NBFIs sowie der "robust-yet-fragile"-Dynamik ist ein wichtiger Beitrag zur Finanzstabilitätsforschung und für die Gestaltung makroprudenzieller Politik.
Die Erkenntnisse zur gezielten Liquiditätsversorgung sind für Zentralbanken von praktischer Bedeutung.
Original: Liquidity spirals
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