ECB-Studie: Überschätzung des Eigenheims senkt Aktienrisiko und steigert Konsum
Hauswert-Illusion prägt Finanzverhalten
Ein aktuelles Working Paper der EZB von Corradin, Fillat und Vergara-Alert zeigt, dass Haushalte ihre Immobilienwerte systematisch falsch einschätzen.
Rund die Hälfte der US-Haushalte überschätzte oder unterschätzte den Wert ihres Eigenheims zwischen 1984 und 2021 erheblich.
Eine Überschätzung des Hauswerts um 60.000 US-Dollar führt demnach zu einem Rückgang riskanter Aktienanlagen um 1,1 bis 1,9 Prozent und einer Reduktion der Aktienmarktteilnahme um 1,5 bis 3,59 Prozentpunkte.
Gleichzeitig steigt der Konsum um 1,5 bis 4,3 Prozent.
Die Ergebnisse stellen klassische Portfolio-Modelle infrage, die von einer akkuraten Wahrnehmung des Immobilienvermögens ausgehen.
Neue Perspektiven auf Vermögensallokation
Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die laufende Debatte über die Vermögensallokation von Haushalten und die Übertragungsmechanismen der Geldpolitik.
Während Standardmodelle oft eine rationale und akkurate Bewertung von Vermögenswerten annehmen, beleuchtet dieses Papier die signifikanten Auswirkungen von Fehleinschätzungen im größten Vermögenswert vieler Haushalte – der Immobilie.
Die Ergebnisse sind relevant für Zentralbanken, um die Reaktion von Konsum und Investitionen auf Zinsänderungen oder makroprudentielle Maßnahmen besser zu verstehen.
Sie fordern eine Verfeinerung bestehender Modelle, um die psychologischen Aspekte der Vermögenswahrnehmung zu berücksichtigen.
Grundlagenforschung mit Policy-Relevanz
Das Working Paper bietet robuste empirische Belege für die weitreichenden Folgen von Fehleinschätzungen bei Immobilienwerten.
Es hinterfragt eine zentrale Annahme in der Haushaltsfinanzforschung und liefert neue Einblicke, wie wahrgenommener Reichtum reale Wirtschaftsentscheidungen beeinflusst.
Obwohl es sich um ein Forschungspapier handelt, sind die Implikationen für das Verständnis von Vermögens- und Konsumverhalten sowie die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen erheblich.
Es ist Pflichtlektüre für Analysten, die sich mit Haushaltsfinanzen und der Transmission von Politik beschäftigen.