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EZB-Reden so wirkmächtig wie Zinsentscheide: Neue Studie revolutioniert Messung

EZB-Reden prägen Märkte und Wirtschaft

Ein neues Working Paper der EZB-Autoren Altavilla, Gürkaynak, Kind und Laeven zeigt, dass Reden von EZB-Direktoriumsmitgliedern eine entscheidende, bisher unterschätzte Rolle bei der Transmission der Geldpolitik im Euroraum spielen.

Die Studie nutzt eine erweiterte Datenbank (EA-EMPD), die neben offiziellen Sitzungen auch alle Reden seit Euro-Einführung erfasst – eine Verzehnfachung der relevanten Ereignisse.

Die Analyse belegt, dass Reden statistisch und ökonomisch signifikante Effekte auf Vermögenspreise über alle Laufzeiten hinweg haben, vergleichbar mit offiziellen Ankündigungen.

Die Einbeziehung von Reden verbessert die Präzision der Schätzung makroökonomischer Effekte erheblich und erhöht den Anteil der realwirtschaftlichen Varianz, der der Geldpolitik zugeschrieben wird, um das Fünffache.

Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die gesamte Bandbreite der Zentralbankkommunikation zu berücksichtigen.

Kommunikation als Schlüssel zur Geldpolitik

Diese Studie reiht sich in die wachsende Literatur zur Bedeutung der Zentralbankkommunikation ein, die seit der globalen Finanzkrise und der Einführung unkonventioneller Instrumente wie Forward Guidance und QE an Bedeutung gewonnen hat.

Sie füllt eine Lücke für den Euroraum, wo die Evidenz im Vergleich zu den USA (z.B. Fed-Studien von Swanson) bisher begrenzt war.

Das Papier ist bemerkenswert, da es nicht nur die Relevanz von Reden quantifiziert, sondern auch eine neue, umfassendere Datengrundlage schafft, die die traditionelle Sichtweise auf geldpolitische Schocks fundamental erweitert.

Es betont die Verschiebung hin zu mehr Transparenz und die Notwendigkeit, alle Kommunikationskanäle der EZB zu beobachten.

Fundamentale Neubewertung der EZB-Signale

Dieses Working Paper ist Pflichtlektüre für alle, die die EZB-Geldpolitik analysieren.

Es liefert eine neue, umfassendere Methodik zur Messung geldpolitischer Überraschungen und zeigt, dass die bisherige Fokussierung auf offizielle Sitzungen nur einen Bruchteil der tatsächlichen Wirkung erfasste.

Die Ergebnisse haben direkte Implikationen für die Interpretation von Marktbewegungen und die Modellierung makroökonomischer Effekte.

Die Schaffung der EA-EMPD-Datenbank ist ein signifikanter Beitrag zur Forschung und Praxis.

Original: Monetary transmission with frequent policy events

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