ECB Paper

EZB-Studie: Repo-Händler erzielen keine systematischen Liquiditätsvorteile

Kollateral-Wiederverwendung ohne Extra-Cash

Ein aktuelles Working Paper der EZB von Angelis Alexiou, Pereira und Rodrigues-Gomes analysiert die Wiederverwendung von Sicherheiten im europäischen Repo-Markt.

Die Studie zeigt, dass rund 11,6% des täglichen Repo-Volumens, durchschnittlich 49 Milliarden Euro, auf wiederverwendeten Sicherheiten basieren, was die Liquidität erhöht, aber auch die Vernetzung verstärkt.

Entgegen einer prominenten Theorie finden die Autoren jedoch keine Belege dafür, dass Wertpapierhändler systematisch "Liquiditäts-Windfalls" – also temporäre Cash-Puffer durch unterschiedliche Haircuts – erzielen, wenn sie Sicherheiten weiterreichen.

Die Wiederverwendung wird primär durch Transaktions- und Gegenparteimerkmale getrieben, nicht durch spezifische Anleiheeigenschaften.

Dies deutet auf eine andere Dynamik der Geldpolitikübertragung hin, die eher über Preise als über Margen läuft.

Neue Perspektiven für Finanzstabilität und Geldpolitik

Diese Studie liefert wichtige empirische Erkenntnisse in die Debatte um die Funktionsweise des Schattenbankensektors und die systemischen Risiken, die durch die Verflechtung im Repo-Markt entstehen können.

Die Widerlegung der "Liquiditäts-Windfall"-Hypothese hat direkte Implikationen für die Bewertung von Leverage-Effekten und die Übertragung der Geldpolitik, da sie nahelegt, dass Zinsänderungen eher über Repo-Sätze und Laufzeiten als über abrupte Haircut-Anpassungen wirken.

Die Nutzung eines neuen, vertraulichen Datensatzes (SFTDS) der EZB ermöglicht eine präzisere Analyse als frühere Studien und bietet Regulierungsbehörden eine fundiertere Basis für Entscheidungen bezüglich Kollateralmanagement und Haircut-Regulierung.

Empirische Korrektur mit Policy-Relevanz

Das Working Paper ist von hoher Relevanz, da es eine weit verbreitete Annahme über Liquiditätsvorteile für Händler im Repo-Markt mit robusten, neuen Daten widerlegt.

Dies hat direkte Auswirkungen auf die Einschätzung von Systemrisiken und die Effektivität geldpolitischer Transmissionskanäle.

Obwohl es keine expliziten Policy-Signale enthält, liefert es eine wichtige empirische Grundlage für zukünftige Regulierungsdebatten über Haircuts und Kollateralmanagement.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Stabilität des Repo-Marktes weniger durch Haircut-Dynamiken als durch Gegenparteibeziehungen beeinflusst wird.

Original: Repo collateral reuse and liquidity windfalls

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