EZB-Studie: Nachfrage- und Finanzschocks erhöhen Rezessionsrisiko im Euroraum
Strukturelle Schocks und das Wachstumsrisiko
Ein neues Working Paper der EZB zeigt, wie strukturelle Schocks das Risiko für das zukünftige BIP-Wachstum und die Inflation im Euroraum beeinflussen.
Nachfrage- und Finanzschocks reduzieren demnach nicht nur das erwartete BIP-Wachstum, sondern erhöhen gleichzeitig dessen Schwankungsbreite.
Dies führt zu einer negativ verzerrten Verteilung des zukünftigen Wachstums, was ein erhöhtes Abwärtsrisiko (Downside Risk) bedeutet.
Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt in Zeiten erhöhter Marktanspannung.
Im Gegensatz dazu bewirken Angebotsschocks eher symmetrische Bewegungen beim BIP-Wachstum.
Für die Inflation treiben Angebotsschocks jedoch ein positives Mittelwert-Volatilitäts-Verhältnis an: Höhere Inflation geht mit erhöhter Unsicherheit einher, was das Aufwärtsrisiko (Upside Risk) verstärkt.
Die Forscher Giacomo Carboni, Luís Fonseca, Fabio Fornari und Leonardo Urrutia nutzen einen VAR-Quantilregressionsansatz, um diese dynamischen Interaktionen zu modellieren und liefern damit wichtige Einblicke für die Politikgestaltung.
Risikobetrachtung in unsicheren Zeiten
Die Überwachung von Risiken für die Wirtschaftsaussichten hat sich nach globalen Finanzkrisen, der europäischen Staatsschuldenkrise, der COVID-19-Pandemie und dem jüngsten Inflationsanstieg zu einer Priorität für Zentralbanken entwickelt.
Die "Growth-at-Risk"-Literatur, insbesondere seit Adrian et al.
(2019), hat gezeigt, dass sich verschlechternde Finanzbedingungen sowohl den mittleren BIP-Wachstum als auch dessen Volatilität beeinflussen und zu asymmetrischen Risiken führen.
Dieses Papier erweitert diese Erkenntnisse, indem es die zugrunde liegenden strukturellen Schocks identifiziert, die diese Dynamiken antreiben, und somit eine präzisere Reaktion der Geldpolitik ermöglicht.
Strukturelle Ursachen für asymmetrische Risiken
Die Studie liefert wichtige Einblicke, indem sie die strukturellen Schocks identifiziert, die hinter den bekannten asymmetrischen Risiken für Wachstum und Inflation stehen.
Für Zentralbanken ist das Verständnis dieser Ursachen entscheidend, um angemessene geldpolitische Reaktionen auf unterschiedliche Schocktypen zu formulieren und die Stabilität der Wirtschaft zu gewährleisten.