SSM Speech

EZB-Aufsicht: Geopolitik treibt Verluste, nicht Kapitalpuffer

Verluste trotz Profit-Puffer

Claudia Buch, EZB-Aufsichtschefin, warnt vor den unterschätzten Folgen geopolitischer Risiken für Banken.

Der EBA-Stresstest 2025 zeigt zwar geringeren Kapitalverzehr, doch die zugrundeliegenden Verluste sind höher als vor zwei Jahren, und 24 Banken drohen Dividendenbeschränkungen.

Buch fordert granularere IFRS-9-Overlays und kündigt für 2026 einen "Reverse Stress Test" an, bei dem Banken selbst Szenarien für einen gemeinsamen Kapitalverzehr entwickeln müssen.

Die EZB-Aufsicht passt sich mit Effizienz- und Risiko-Fokus an, um die "Risikobewertungs-Paradoxie" zu überwinden und die Resilienz im Angesicht von Cyberangriffen und Non-Bank-Wettbewerb zu stärken.

Deregulierung sei der falsche Weg, so Buch, da Resilienz und Wachstum untrennbar sind.

Geopolitik und Finanzstabilität

Buchs Rede unterstreicht die wachsende Besorgnis der Aufsichtsbehörden über externe Schocks, die über traditionelle Wirtschaftszyklen hinausgehen.

Während die Finanzkrise die Notwendigkeit robuster Kapitalpuffer zeigte, verschiebt sich der Fokus nun auf die Fähigkeit der Banken, unvorhersehbare geopolitische und technologische Risiken zu managen.

Die Forderung nach "Evidence-based supervision" ist eine direkte Antwort auf die Grenzen historischer Daten in einer sich schnell wandelnden Welt.

Dies markiert eine Evolution der Aufsicht, die sich von der reaktiven Problembehebung hin zur proaktiven Antizipation wandelt.

Aufsicht rüstet auf

Buchs Rede ist ein klares Signal, dass die EZB-Aufsicht ihre Instrumente schärft, um den neuen Risikolandschaften zu begegnen.

Der "Reverse Stress Test" ist ein innovativer Ansatz, der über Standard-Szenarien hinausgeht und Banken stärker in die Pflicht nimmt.

Die Betonung der Resilienz gegenüber Deregulierung ist eine wichtige politische Aussage, die den Kurs der Aufsicht für die kommenden Jahre festlegt.