Bundesbank-Studie: Geldpolitik wirkt stärker bei erwerbstätigen Frauen
Je stärker Frauen am Arbeitsmarkt gebunden sind, desto empfindlicher reagiert die Wirtschaft auf Zinsänderungen. Eine neue Bundesbank-Studie zeigt, wie der 'Added Worker Effect' die Wirksamkeit der Geldpolitik beeinflusst.
Das Paradox der Arbeitsmarktbindung
Wenn verheiratete Frauen nur schwach an den Arbeitsmarkt gebunden sind, können sie flexibel ein- und aussteigen, um das Haushaltseinkommen in wirtschaftlichen Abschwüngen zu ergänzen.
Dies bietet eine starke Absicherung gegen Einkommensschocks auf Haushaltsebene.
Ist diese Flexibilität durch stärkere Arbeitsmarktbindung reduziert, hat die Geldpolitik einen stärkeren Einfluss auf die Wirtschaft.
Die aggregierte Beschäftigung reagiert dann schärfer auf Zinsänderungen, so eine neue Bundesbank-Studie.
Die Forscher zeigen, dass geldpolitische Schocks größere Auswirkungen auf Beschäftigung und Lohnsumme in Staaten haben, in denen ein höherer Anteil verheirateter Frauen vor dem Schock erwerbstätig war.
Eine Erhöhung des Anteils um einen Prozentpunkt verstärkt die negative Reaktion der Beschäftigung auf einen kontraktiven geldpolitischen Schock um etwa einen Prozentpunkt am Höhepunkt, mit Effekten, die über drei Jahre anhalten.
Weniger Flexibilität, stärkere Wirkung
Die Studie liefert zusätzliche Belege, indem sie die Arbeitsmarktbindung verheirateter Frauen über verschiedene US-Bundesstaaten hinweg untersucht.
Gemessen wird dies an der Anzahl der Übergänge zwischen Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und dem Status 'außerhalb der Erwerbsbevölkerung'.
Es zeigt sich, dass verheiratete Frauen in Staaten, in denen typischerweise weniger verheiratete Frauen arbeiten, mehr Jobwechsel vornehmen, was auf eine schwächere Arbeitsmarktbindung hindeutet.
Konsistent mit der Hypothese zeigen Staaten mit marginaleren verheirateten Frauen – also solchen mit mehr Übergängen – schwächere Reaktionen auf geldpolitische Schocks.
Dies stützt die Annahme, dass eine lose Arbeitsmarktbindung eine flexiblere Anpassung der Arbeitsentscheidungen ermöglicht und somit eine Absicherung gegen wirtschaftliche Schocks bietet.
Demografie verändert Geldpolitik
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Wirtschaft empfindlicher auf geldpolitische Schocks reagiert, je stärker verheiratete Frauen am Arbeitsmarkt gebunden sind.
Zentralbanken müssen ihre Erwartungen an die Wirksamkeit der Geldpolitik neu kalibrieren, da sich demografische Muster weiterentwickeln.
Die Zusammensetzung der Arbeitskräfte ist entscheidend für die Transmissionsmechanismen der Geldpolitik.