EZB-Vize de Guindos: Europa muss finanziell autonomer werden und eigene Stärken nutzen
EZB-Vizepräsident Luis de Guindos betont in einem Interview die Notwendigkeit einer stärkeren finanziellen Autonomie Europas. Er warnt vor den Folgen einer mangelnden Zentralbank-Unabhängigkeit und verteidigt die Kapitalausstattung europäischer Banken.
Unabhängigkeit als Fundament
Die Unabhängigkeit von Zentralbanken ist entscheidend für die Inflationsbekämpfung und niedrige Zinsen, so EZB-Vizepräsident Luis de Guindos im Interview mit Politico.
Eine nicht-unabhängige Zentralbank werde zum Werkzeug der Fiskalpolitik, verliere an Glaubwürdigkeit und führe zu höheren Zinskurven.
De Guindos lobte Fed-Chef Jerome Powell als „sehr guten Professional“.
Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, dass Europa in Bereichen wie Verteidigung, KI und globalen Zahlungsmitteln autonomer werden müsse.
„Wir müssen unabhängiger, autonomer werden“, sagte de Guindos, da sich das Paradigma und die Haltung der USA geändert hätten.
Die Zusammenarbeit mit der Federal Reserve werde jedoch fortgesetzt, da sie im Interesse aller liege.
Kapital als Wettbewerbsvorteil
EZB-Vizepräsident de Guindos verteidigte die Kapitalausstattung europäischer Banken als „korrekt“ und nicht restriktiv.
Die Solvenz sei ein Wettbewerbsvorteil Europas, was sich in der positiven Entwicklung der Bankenbewertungen zeige: Die Eigenkapitalrendite stieg von 4 Prozent vor der Pandemie auf über 10 Prozent.
Die EZB überwacht zudem eng die Verbindungen zwischen Banken und Nichtbanken, um Finanzstabilitätsrisiken zu begegnen.
Er betonte, die EZB strebe keine Senkung des Kapitalniveaus an, sondern eine Vereinfachung der bürokratischen Lasten, etwa bei Stresstests und der Berichterstattung durch einen einzigen Kommunikationskanal.
Zwischen Kooperation und Autonomie
De Guindos liefert eine klare Standortbestimmung der EZB in einem komplexen geopolitischen Umfeld.
Er balanciert die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit mit dem wachsenden Wunsch nach europäischer Souveränität aus.
Seine Aussagen zu Bankenkapital und Zentralbank-Unabhängigkeit unterstreichen eine defensive, aber selbstbewusste Haltung in unsicheren Zeiten.
Quelle: Luis de Guindos: Interview with Politico
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