Deutsche Banken straffen Kreditrichtlinien in allen Segmenten so stark wie 2023
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Deutsche Banken straffen Kreditrichtlinien in allen Segmenten so stark wie 2023

Deutsche Banken haben im vierten Quartal 2025 ihre Vergaberichtlinien für Kredite an Unternehmen und private Haushalte deutlich gestrafft. Dies ist die stärkste Straffung seit 2023 und übertrifft die des Vorquartals.

Risikotoleranz sinkt, Kreditrisiko steigt

Die deutschen Banken haben im vierten Quartal 2025 ihre Vergaberichtlinien für Kredite an Unternehmen und private Haushalte so stark gestrafft wie zuletzt 2023. Die Straffungen übertrafen die des Vorquartals in allen Segmenten.

Für Unternehmenskredite lag der Nettoanteil der Banken, die ihre Anforderungen restriktiver gestalteten, bei +16 Prozent (nach +10 Prozent im Vorquartal).

Bei privaten Wohnungsbaukrediten stieg dieser Anteil auf +11 Prozent (nach +4 Prozent), und bei Konsumenten- und sonstigen Krediten auf +11 Prozent (nach +7 Prozent).

Die Banken begründeten die Anpassungen mit ihrer gesunkenen Risikotoleranz und einem weiteren Anstieg des Kreditrisikos, getrieben von der allgemeinen Wirtschaftslage und branchen- und firmenspezifischen Faktoren.

Im Geschäft mit privaten Haushalten kam zudem eine gesunkene Kreditwürdigkeit zum Tragen.

Die stärksten Straffungen im Unternehmenskreditgeschäft betrafen den Immobiliensektor, das Verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe.

Nachfrage steigt leicht, Bedingungen bleiben restriktiv

Die Nachfrage nach Bankkrediten stieg im vierten Quartal 2025 im Firmenkundengeschäft und bei privaten Baufinanzierungen per saldo leicht an, blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück.

Unternehmenskredite wurden primär für Lagerhaltung und Betriebsmittel benötigt.

Bei Wohnungsbaukrediten wurden verbesserte Aussichten auf dem Immobilienmarkt als Grund genannt.

Die Kreditbedingungen im Unternehmensgeschäft wurden ebenfalls restriktiver gestaltet, hauptsächlich durch gestiegene Kreditzinssätze und ausgeweitete Margen.

Bei Wohnungsbaukrediten lockerten die Banken die Bedingungen marginal, während sie bei Konsumentenkrediten unverändert blieben.

Regulatorische und aufsichtliche Anforderungen, sowie die Quote notleidender Kredite, wirkten sich restriktiv auf die Kreditrichtlinien aus.

Für das erste Quartal 2026 planen die Banken weitere Straffungen der Richtlinien in allen Segmenten.

Sie erwarten eine weiter zunehmende Nachfrage im Firmenkundengeschäft und bei privaten Wohnungsbaukrediten, aber einen Rückgang bei Konsumentenkrediten, bedingt durch eine Eintrübung am Arbeitsmarkt.

Keine Entspannung in Sicht

Die anhaltende und sogar verstärkte Straffung der Kreditrichtlinien signalisiert, dass die deutschen Banken trotz leichter Nachfrageerholung weiterhin sehr vorsichtig agieren.

Dies deutet auf persistente wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Kreditrisiken hin, die zusammen mit regulatorischen Auflagen die Kreditvergabebereitschaft belasten.

Für Unternehmen und private Haushalte bedeutet dies, dass der Zugang zu Finanzierungen schwierig bleiben dürfte, was Investitionen und Konsum potenziell bremsen könnte.