Kreditstandards verschärft, Kreditnachfrage sinkt weiter
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Kreditstandards verschärft, Kreditnachfrage sinkt weiter

Die Banken im Euroraum haben ihre Kreditstandards im ersten Quartal 2026 weiter verschärft. Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Krediten von Unternehmen und Haushalten deutlich.

Risikowahrnehmung treibt Kreditbremse

Laut der Bank Lending Survey (BLS) vom April 2026 meldeten die Banken im Euroraum eine weitere, stärker als erwartete Nettoverschärfung der Kreditstandards für Unternehmenskredite im ersten Quartal 2026 (Netto 10 % der Banken).

Dies übertraf die Erwartungen der Vorrunde (6 %) und war die deutlichste Verschärfung seit dem dritten Quartal 2023, was einen kumulativen Straffungstrend seit Mitte 2025 unterstreicht.

Auch für Wohnungsbaukredite gab es eine leichte Nettoverschärfung (Netto 2 %), während Konsumentenkredite stärker betroffen waren (Netto 15 %).

Haupttreiber waren höhere Risikowahrnehmungen hinsichtlich der Wirtschaftsaussichten und eine geringere Risikotoleranz der Banken.

Geopolitische und energiebezogene Entwicklungen übten zusätzlichen Straffungsdruck aus, wobei einige Banken auch auf Engagements bei energieintensiven Unternehmen und im Nahen Osten verwiesen.

Für das zweite Quartal 2026 erwarten die Banken eine weitere, verbreitete und ausgeprägtere Nettoverschärfung der Kreditstandards für Unternehmenskredite, Wohnungsbaukredite und Konsumentenkredite.

Nachfrageflaute und Fi­nan­zie­rungs­eng­päs­se

Die Nachfrage nach Unternehmenskrediten sank im ersten Quartal 2026 leicht (Netto -2 %), primär aufgrund geringerer Finanzierungen für Sachinvestitionen.

Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten blieb unverändert (Netto 0 %), was unter den Erwartungen lag und durch sinkende Verbraucherzuversicht sowie Zinsentwicklungen belastet wurde.

Konsumentenkredite verzeichneten einen starken Rückgang (Netto -11 %), bedingt durch geringere Ausgaben für langlebige Güter und niedrigere Verbraucherzuversicht.

Für das zweite Quartal 2026 prognostizieren die Banken weitere Rückgänge der Kreditnachfrage.

Parallel dazu verschlechterte sich der Zugang der Banken zu Schuldtiteln und Geldmärkten im ersten Quartal 2026, was die Finanzierungsbedingungen zusätzlich strafft.

Eine weitere Verschlechterung dieser Finanzierungsquellen wird erwartet.

Stille Straffung im Bankensektor

Die Ergebnisse der Umfrage deuten auf eine spürbare, wenn auch 'stille' Straffung der Finanzierungsbedingungen im Euroraum hin, die über die direkten Zinsentscheidungen der EZB hinausgeht.

Die Kombination aus verschärften Kreditstandards und sinkender Nachfrage könnte die wirtschaftliche Aktivität weiter dämpfen, insbesondere bei Investitionen und Konsum.

Obwohl die Verbriefung den Banken hilft, Kapital freizusetzen, bleibt ihr Beitrag zur Lockerung der Kreditstandards minimal, was die anhaltenden Herausforderungen für die Kreditversorgung unterstreicht.

Quelle: April 2026 euro area bank lending survey

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