Escrivá: Zentralbanken brauchen Szenarien für Unsicherheit
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Escrivá: Zentralbanken brauchen Szenarien für Unsicherheit

José Luis Escrivá, Gouverneur der Banco de España, betonte die Notwendigkeit einer robusten Geldpolitik in unsicheren Zeiten. Er plädierte für den Einsatz von Szenarien, um Risiken besser zu managen und Erwartungen zu verankern.

Robuste Geldpolitik in unsicheren Zeiten

José Luis Escrivá, Gouverneur der Banco de España, skizzierte die vielfältigen Herausforderungen für Zentralbanken in offenen Volkswirtschaften.

Er nannte die Finanzstabilität, insbesondere das Wachstum des NBFI-Sektors und dessen Verflechtungen mit traditionellen Banken, als zentral.

Auch die Rolle der Zentralbanken in einem tokenisierten Finanzökosystem und die Modernisierung der Bankenaufsicht seien entscheidend.

Im Fokus stand jedoch die Notwendigkeit einer robusten Geldpolitik unter hoher Unsicherheit.

Escrivá betonte, dass in Zeiten 'Knightianischer Unsicherheit' traditionelle Modalprojektionen irreführend sein können.

Bei 'Fat-Tailed Risks' seien das Risiko-Gleichgewicht und die Asymmetrie von Politikfehlern von größter Bedeutung.

Der aktuelle Energieschock sei ein historisches 'Tail Event', vergleichbar mit dem Iran-Krieg 2026, der einen Ölpreisanstieg von 42 Prozent verursachte.

Szenarien seien daher unerlässlich, um diese extremen Risiken zu erfassen und zu kommunizieren.

Szenarien: Balanceakt zwischen Offenheit und Vorsicht

Die Gestaltung von Szenarien erfordert einen sensiblen Balanceakt, wie Escrivá ausführte.

Er identifizierte drei zentrale Zielkonflikte: die interne Governance zwischen Stab und EZB-Rat, die optimale Anzahl von Szenarien zwischen Reichhaltigkeit und Komplexität sowie die externe Kommunikation zwischen Offenheit und Vorsicht.

Es sei eine Herausforderung, Szenarien so zu konstruieren, dass sie den gesamten Risikoraum abdecken.

Die EZB nutze beispielsweise Ölpreis-Szenarien, die von einem zentralen Pfad über ein 'Adverse'- bis hin zu einem 'Severe'-Szenario reichen.

Die Analyse alternativer Politikreaktionen in diesen Szenarien sei jedoch primär für interne Diskussionen gedacht, um geldpolitische Dilemmata zu navigieren.

Abschied vom Punkt-Prognose-Denken

Escrivás Plädoyer für Szenarien ist ein klares Signal, dass Zentralbanken ihre Prognosemodelle an eine Welt extremer Unsicherheit anpassen müssen.

Die Abkehr von der fixen Punkt-Prognose hin zu einer Bandbreite von Risikofällen ist überfällig und stärkt die Resilienz der Geldpolitik.

Dies ermöglicht eine flexiblere Kommunikation und bereitet Märkte besser auf unvorhergesehene Schocks vor.