Finanzrisiken sinken, Cybergefahr wächst – Nahost-Kriegsende
Der Generalrat des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) bewertet makrofinanzielle Risiken als abgemildert, warnt jedoch vor einer Zunahme des Cyberrisikos. Die Ankündigung eines Nahost-Friedensabkommens reduziert zudem die Extremrisiken.
Nahost-Deal mindert Extremrisiken
Der Generalrat des Europäischen Ausschusses für Systemrisiken (ESRB) nahm auf seiner Sitzung am 25. Juni die Ankündigung eines Nahost-Friedensabkommens zur Kenntnis.
Die Wiedereröffnung der Straße von Hormus würde Extremrisiken für die Weltwirtschaft und das EU-Finanzsystem mindern.
Trotzdem bleiben die Risiken für die Finanzstabilität in der EU erhöht.
Ein großer Schock oder eine Kombination von Schocks könnte Markterwartungen beeinflussen und die Stabilität gefährden.
Es bestehen weiterhin Schwachstellen: gedämpfte Wachstumsaussichten und hohe Staatsverschuldung in der Realwirtschaft.
Im Finanzsektor sind hohe Bewertungen risikoreicher Anlageklassen sowie Liquiditäts- und Leverage-Fehlentwicklungen bei Investmentfonds zu beobachten.
Eine erneute Eskalation im Nahen Osten könnte die Marktstimmung schnell umschlagen lassen.
Sorgen über höhere Inflation könnten steigende Staatsanleiherenditen und starke Vermögenspreisrückgänge auslösen.
Erzwungene Verkäufe durch hoch gehebelte Investoren könnten diese Rückgänge verstärken und den fiskalischen Druck erhöhen.
KI-Modelle erhöhen Cybergefahr
Der Generalrat hob die jüngsten Entwicklungen bei KI-Modellen hervor, deren Fähigkeiten eine strukturelle Zunahme des systemischen Cyberrisikos für das EU-Finanzsystem bedeuten.
Weiterhin wurde die Fragmentierung des Nachhandels bei Aktien in der Europäischen Union als ein Hindernis für die Spar- und Investitionsunion diskutiert.
Ein 'Advisory Scientific Committee (ASC) Insight' von Thorsten Beck und Hans Degryse, der die Autorenansicht präsentiert, wird im Sommer erscheinen.
Zudem veröffentlichte der ESRB heute die 56. Ausgabe seines Risikodashboards, das quantitative und qualitative Indikatoren zur Messung des systemischen Risikos im EU-Finanzsystem liefert.
Resilienz mit Rissen
Trotz der positiven Nachrichten aus dem Nahen Osten bleiben die zugrunde liegenden Schwachstellen im EU-Finanzsystem eine ernste Sorge.
Die Entstehung KI-getriebener Cyberrisiken fügt den bestehenden Herausforderungen wie der Marktfragmentierung eine neue, komplexe Ebene hinzu.
Während Extremrisiken abklingen mögen, erfordern die strukturellen Probleme weiterhin Wachsamkeit und konkrete politische Maßnahmen.