Núñez Ramos: Nachhaltigkeit und Geopolitik prägen Finanzstabilität
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Núñez Ramos: Nachhaltigkeit und Geopolitik prägen Finanzstabilität

Soledad Núñez Ramos, Subgouverneurin der Banco de España, betont die strukturelle Bedeutung von Nachhaltigkeit, Wettbewerb und Geopolitik für die Finanzstabilität. Diese Faktoren erfordern eine integrierte Analyse und prägen den neuen Aufsichtsrahmen.

Klimawandel: Milliardenverluste und Bankenrisiken

Subgouverneurin Soledad Núñez Ramos betonte auf der Jahrestagung von FINRESP die strukturelle Bedeutung von Nachhaltigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Geopolitik für die Finanzstabilität.

Der Klimawandel sei zunehmend eine Wirtschafts- und Finanzherausforderung.

Zwischen 1980 und 2024 verursachten extreme Klimaereignisse in der EU wirtschaftliche Verluste von über 822 Milliarden Euro, davon über ein Viertel in den letzten vier Jahren.

Die jährlichen Verluste stiegen von 8 Milliarden Euro in den 1980ern auf 45 Milliarden Euro im Zeitraum 2020-2024.

Diese beobachteten Auswirkungen sind keine Hypothesen mehr.

In Spanien haben physische Klimaeffekte direkte Implikationen für strategische Sektoren wie Landwirtschaft und Tourismus, was Unternehmensbilanzen und die Qualität finanzieller Vermögenswerte beeinflusst.

Über 90 Prozent der im Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) beaufsichtigten Banken erkennen ihre materielle Exposition gegenüber Klima- und Umweltrisiken an, was deren Relevanz für Geschäftsmodelle unterstreicht.

EBA-Leitlinien für Klimaszenarioanalysen

Der aktuelle europäische Diskurs betont die Notwendigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und strategische Autonomie zu stärken.

Die Energiewende ist hierbei eine zentrale Sicherheitsstrategie, die Europas Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen reduziert und die wirtschaftliche Autonomie stärkt.

Prudenzielle Instrumente wie Klimaszenarioanalysen werden immer wichtiger, um die Resilienz von Banken zu bewerten.

Die jüngsten Leitlinien der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) fördern eine stärkere Harmonisierung und Integration dieser Risiken ins Bankenmanagement.

Diese Szenarien sind analytische Instrumente zur Identifizierung von Schwachstellen, keine Vorhersagen.

Sie sollen die strategische und Kapitalplanung der Institute verbessern und das Proportionalitätsprinzip wahren.

Prudenzielle Notwendigkeit, keine Option

Die Integration von Nachhaltigkeits-, Wettbewerbs- und Geopolitikrisiken in den Aufsichtsrahmen ist keine optionale Reputationsfrage, sondern eine zwingende Anforderung an die Finanzstabilität.

Obwohl methodische Herausforderungen bei der Datenverfügbarkeit und dem Verständnis der Transmissionskanäle bestehen bleiben, ist die Richtung klar: Das Finanzsystem muss seine Antizipationsfähigkeit verbessern.

Nur ein robustes System kann die notwendige Transformation finanzieren und Europas strategische Autonomie sichern.