Haushalts- und Firmen-Erwartungen verbessern Echtzeit-Inflationsprognosen
Ein Working Paper der Banco de España zeigt: Modelle, die Inflationserwartungen von Haushalten und insbesondere Dienstleistungsunternehmen berücksichtigen, prognostizieren die Kerninflation in Echtzeit präziser. Dies deutet auf einen ökonomisch bedeutsamen Transmissionskanal hin.
Erwartungen schlagen Standardmodelle
Das Working Paper der Banco de España untersucht empirisch den Transmissionskanal von Inflationserwartungen auf die tatsächliche Inflation.
Die Autoren Nicolás Bonino-Gayoso und Mónica Correa-López zeigen, dass Modelle, die aktualisierte Inflationserwartungen von Haushalten oder, noch wichtiger, von Dienstleistungsunternehmen über deren eigene Preisänderungen nutzen, die Kerninflation systematisch und stabiler vorhersagen können.
Dies gelingt ihnen präziser als gängige Modelle, die diese Informationen nicht verwenden.
Qualitative Updates in Preisumfragen von Haushalten und Unternehmen erweisen sich als relevante Signale für das Konsumenten- und Firmenverhalten, da sie die aggregierte Inflationsdynamik beeinflussen.
Die Ergebnisse deuten auf einen ökonomisch bedeutsamen Transmissionskanal kurzfristiger Inflationserwartungen auf die Inflation hin.
Die Studie analysiert die Vorhersagegenauigkeit von Inflationsmodellen in Echtzeit, insbesondere für die Kerninflation im Euroraum.
Dabei werden zwei unterschiedliche Inflationsdynamiken beleuchtet: die Phase der effektiven Zinsuntergrenze (ELB) und die Zeit nach der COVID-19-Pandemie.
Warum Erwartungen die Inflation treiben
Die Forschungsliteratur bestätigt die Bedeutung von Inflationserwartungen für die Entscheidungen von Haushalten und Unternehmen.
Es ist bekannt, dass Firmen ihre Preisgestaltung an Erwartungen anpassen und Haushaltserwartungen als Indikator dienen können.
Eine umfassende empirische Analyse der aggregierten Preiseffekte dieser Erwartungsaktualisierungen fehlte jedoch bislang.
Dieses Papier füllt diese Lücke, indem es die Echtzeit-Dimension von Inflationserwartungen nutzt.
Es zeigt, dass die Verfolgung von Erwartungsaktualisierungen durch einen externen Beobachter den Transmissionsmechanismus auf die realisierte Inflation aufdeckt.
Diese Erkenntnisse sind für die Geldpolitik von großer Bedeutung, da das Management von Inflationserwartungen ein wichtiges Instrument zur Inflationsstabilisierung darstellt.