Ghaffour warnt: Geopolitik schafft neue Normalität für Asien
Abdul Rasheed Ghaffour, Gouverneur der Bank Negara Malaysia, warnt vor einer 'neuen Normalität' für Asien. Geopolitische Konflikte, Energie- und Handelsschocks erfordern robuste Politikrahmen.
Asien im Strudel globaler Schocks
Die globale Wirtschaft wird von einer bemerkenswerten Abfolge von Schocks geprüft: die COVID-19-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, weitreichende Zollmaßnahmen, die den Welthandel umgestalten, und nun der anhaltende Konflikt im Nahen Osten.
Die Internationale Energieagentur (IEA) beschreibt die aktuelle Episode als die größte Ölversorgungsstörung und Energiesicherheitsbedrohung der Geschichte.
Diese Entwicklungen signalisieren eine grundlegende Verschiebung der globalen Landschaft – eine weitere 'neue Normalität', die durch häufige, überlappende und sich gegenseitig verstärkende Schocks gekennzeichnet ist.
Besonders besorgniserregend ist, dass viele Volkswirtschaften die während der Pandemiejahre eingesetzten Politikpuffer noch nicht vollständig wieder aufgebaut haben.
Infolgedessen hat sich der politische Spielraum erheblich verengt, Zielkonflikte sind akuter geworden, und der Spielraum für politische Fehler ist jetzt viel kleiner.
Der Konflikt im Nahen Osten stört bereits die reale Wirtschaftstätigkeit und beeinträchtigt die Lebensgrundlagen in der gesamten Region, die einen beträchtlichen Teil ihres Öls und Gases aus dem Nahen Osten bezieht.
Vom Ölpreis bis zum Dünger: Die Kanäle der Krise
Die Übertragungskanäle reichen weit über die Energie hinaus.
Engpässe bei Helium und Spezialgasen beeinträchtigen industrielle Inputs in kritische Sektoren wie das Gesundheitswesen und die Technologie.
ADB-Projektionen zeigen erhöhte Risiken für zukünftige Ernteerträge und die Ernährungssicherheit in Asien infolge von Düngemittelknappheit.
Diese Störungen erhöhen den Kostendruck in der gesamten Wirtschaft, da höhere Energiepreise und Engpässe bei wichtigen Inputs die Produktions- und Logistikkosten in die Höhe treiben.
Die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts belastet zudem die Wachstumsaussichten.
Malaysia demonstriert weiterhin Resilienz, mit 5,3 Prozent Wachstum im ersten Quartal und einer erwarteten Inflation von 1,5 bis 2,5 Prozent.
Resilienz vor der nächsten Krise
Die Bewältigung unmittelbarer Störungen und die Sicherung langfristigen Wachstums sind die Kernaufgaben der Politik.
Makroökonomische und finanzielle Stabilität bleiben oberste Priorität, flankiert von strukturellen Reformen zur Reduzierung zukünftiger Schockanfälligkeit.
Angesichts der tiefen globalen Vernetzung ist internationale Kooperation unerlässlich, um Resilienz aufzubauen, bevor die nächste Krise eintritt.