Aufsichtsbehörden brauchen Risikobereitschafts-Frameworks
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) plädiert für die Einführung von Risikobereitschafts-Frameworks (RAFs) bei Aufsichtsbehörden. Diese sollen helfen, die Wirksamkeit der Bankenaufsicht zu verbessern und mit Unsicherheiten umzugehen.
Lehren aus zwei Krisen
Die Finanzkrisen von 2007 (GFC) und März 2023 haben gravierende Schwächen in der Unternehmensführung und im Risikomanagement von Banken sowie in der Wirksamkeit der Aufsicht offengelegt.
Schlechte Governance und Risikokultur können das Marktvertrauen untergraben, Liquiditätsengpässe auslösen und Finanzsysteme destabilisieren.
Die BIZ betont, dass auch Mängel in der Aufsicht selbst – das sogenannte Aufsichtsrisiko – die Finanzstabilität gefährden können.
Dieses Risiko entsteht durch interne Faktoren wie eine schwache Governance und Kultur der Aufsichtsbehörden oder unzureichende Instrumente.
Es kann auch durch externe Faktoren wie Ressourcenknappheit oder unklare Mandate verstärkt werden.
Das Aufsichtsrisiko lässt sich nicht vollständig eliminieren, da Aufsichtsbehörden mit begrenzten Ressourcen und unvollkommenen Informationen in komplexen Finanzsystemen agieren.
Ein übermäßiges Eingreifen zur Minimierung des Risikoverhaltens von Unternehmen könnte zudem deren Fähigkeit beeinträchtigen, die Realwirtschaft zu unterstützen.
Ein Rahmen für die Aufsicht
Risikobereitschafts-Frameworks (RAFs), die auf das Mandat der Aufsichtsbehörden zugeschnitten sind, bieten einen strukturierten Ansatz zur Bewältigung dieser Herausforderungen.
Sie definieren akzeptable Grenzen für das Aufsichtsrisiko, richten strategische Ziele an der täglichen Aufsicht aus und verdeutlichen die Kompromisse bei der Erreichung aufsichtsrechtlicher Ziele.
RAFs erleichtern die Priorisierung und risikobasierte Entscheidungsfindung, fördern Konsistenz und Rechenschaftspflicht.
Obwohl internationale Standards wie die Basler Kernprinzipien von Banken die Einführung von RAFs fordern, gibt es keine vergleichbaren Verpflichtungen für Aufsichtsbehörden.
Bislang haben nur wenige Aufsichtsbehörden, darunter Kanadas OSFI und der Einheitliche Aufsichtsmechanismus (SSM) der EZB, solche Frameworks implementiert.
Überfällig und pragmatisch
Die Studie der BIZ schließt eine wichtige Lücke in der Diskussion um effektive Bankenaufsicht, indem sie den Fokus auf das Management des Aufsichtsrisikos legt.
Angesichts der komplexen und ressourcenbeschränkten Realität von Aufsichtsbehörden ist ein strukturierter Ansatz zur Risikobereitschaft nicht nur wünschenswert, sondern überfällig.
Die vorgeschlagenen Frameworks bieten einen pragmatischen Weg, um Governance, Kultur und Effektivität der Aufsicht nachhaltig zu stärken.