Bénassy-Quéré: Forschung zu Klima- und Naturrisiken entscheidend
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Bénassy-Quéré: Forschung zu Klima- und Naturrisiken entscheidend

Agnès Bénassy-Quéré, Zweite Vize-Gouverneurin der Banque de France, betonte auf einer Forschungskonferenz die entscheidende Rolle solider Forschung bei der Integration von Klima- und Naturrisiken in die Strategien von Zentralbanken. Sie hob hervor, dass diese Risiken nicht länger eine ferne Sorge sind, sondern bereits die Wirtschaft beeinflussen.

Physische und Übergangsrisiken im Fokus

Agnès Bénassy-Quéré betonte, dass klima- und naturbezogene physische Risiken keine ferne Sorge mehr sind.

Sie stören bereits die Wirtschaft und beeinflussen Inflation, Produktivität sowie fiskalische Nachhaltigkeit.

Eine Studie zeigte, wie diese Risiken die Staatsanleihekosten erhöhen, insbesondere bei begrenzter Anpassungsfähigkeit, was den fiskalischen Spielraum reduziert.

Auch für die Finanzstabilität sind physische Risiken entscheidend: Banken, Versicherer und Märkte sind über Kreditportfolios und Vermögensbewertungen exponiert.

Extreme Wetterereignisse schwächen die Kapitaladäquanz von Versicherern, die mit Prämienerhöhungen oder Deckungsentzug reagieren, was zu steigenden Versicherungslücken führt.

Übergangsrisiken werden zudem durch politische Unsicherheit verstärkt, etwa wenn bestehende Maßnahmen pausiert oder abgebaut werden.

Banken berücksichtigen die Naturabhängigkeit von Unternehmen bei der Preisgestaltung von Krediten, reagieren aber auf regulatorische Änderungen statt auf physische Risiken der Ökosystemdegradation, was zu Blindstellen führen kann.

Globale Kooperation und nationale Initiativen

Zentralbanken agieren aktiv gegen Klima- und Naturrisiken.

Die Banque de France, Gastgeberin des NGFS-Sekretariats, fördert die Integration dieser Risiken in geldpolitische und aufsichtsrechtliche Instrumente, wie neue Klimaszenarien und Berichte zu naturbezogenen Risiken zeigen.

Im Rahmen der französischen G7-Präsidentschaft 2026 werden die Folgen extremer Wetterereignisse und Versicherungslücken diskutiert.

Auf europäischer Ebene passte die EZB ihren Sicherheitenrahmen an Klimarisiken an.

Eine Kooperation der Banque de France mit EZB und Bundesbank bewertet zudem wasserbezogene Risiken in Europa, darunter Dürren und PFAS-Verschmutzung.

National wurde ein Forschungslehrstuhl für naturbezogene Risiken eingerichtet.

Forschung als Kompass im Wandel

Die Qualität der Forschung ist entscheidend, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Klima, Natur und Wirtschaft weiter zu ergründen.

Angesichts eines sich wandelnden politischen Umfelds muss die akademische Forschung den richtigen Weg weisen, unabhängig von politischen Zyklen.

Nur so kann die Glaubwürdigkeit und langfristige Nachhaltigkeit der Klima- und Naturagenda bewahrt und gestärkt werden.