Bunge: KI beeinflusst Wirtschaft und Geldpolitik
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Bunge: KI beeinflusst Wirtschaft und Geldpolitik

Aino Bunge, stellvertretende Gouverneurin der Riksbank, erörtert die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Wirtschaft und Geldpolitik. Sie beleuchtet historische Parallelen und vier zentrale Mechanismen.

Vier Wege der KI-Wirkung

Künstliche Intelligenz kann die Geldpolitik über vier Hauptmechanismen beeinflussen.

Erstens: Ein Produktivitätsschub durch KI senkt Kosten und dämpft die Inflation, was tendenziell niedrigere Leitzinsen nahelegt.

Zweitens: Ein höheres Produktivitätswachstum könnte den neutralen Zinssatz erhöhen, da höhere zukünftige Einkommen die Kreditnachfrage steigern und somit höhere Leitzinsen begünstigen.

Dieser Effekt könnte jedoch durch wachsende Einkommensungleichheit gedämpft werden, da einkommensstarke Haushalte tendenziell mehr sparen.

Drittens: Der erhöhte Investitionsbedarf in KI treibt kurzfristig die Nachfrage an, was höhere Inflation und Leitzinsen zur Folge hätte.

Viertens: Es besteht das Risiko einer KI-bezogenen Blase an den Aktienmärkten, ähnlich dem Dotcom-Boom der 1990er Jahre.

Ein starker Kursrückgang könnte die Geldpolitik und die Finanzstabilität gefährden, wovor die Riksbank bereits in ihren Berichten warnt.

Historie: KI schafft keine Arbeitslosigkeit

Die Geschichte zeigt, dass technologischer Fortschritt, obwohl er Arbeitsplätze automatisiert, nicht zu einem Rückgang der Gesamtbeschäftigung führt.

Konzepte wie technologische Arbeitslosigkeit von Keynes oder Leontiefs Warnungen vor dem Schicksal der Pferde erwiesen sich als übertrieben.

Produktivitätsgewinne steigern den Wohlstand und schaffen neue Sektoren und Berufe.

Das Beispiel der Telefonistinnen illustriert dies: Ihre Aufgaben wurden durch Automatisierung ersetzt, doch neue Möglichkeiten für junge Frauen im Büro- und Dienstleistungssektor entstanden.

Aktuell zeigt sich im Kontext von KI in den USA und Schweden ein 'no hire, no fire'-Prinzip: Unternehmen entlassen junge Menschen in KI-exponierten Berufen nicht, stellen aber auch keine neuen ein.

Die Anpassungsfähigkeit junger Menschen ist dabei entscheidend.

Mehr als nur ein Hype

Künstliche Intelligenz ist zweifellos eine transformative Technologie, deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft noch nicht vollständig absehbar sind.

Zentralbanken müssen die potenziellen Produktivitätsgewinne ebenso wie die Risiken für Finanzstabilität und Einkommensungleichheit genau beobachten.

Die Anpassungsfähigkeit der Arbeitsmärkte und eine vorausschauende Politik sind entscheidend, um die Chancen zu nutzen und negative Folgen abzufedern.