Naudon: Chiles Wirtschaft stabilisiert sich in globaler Unsicherheit
Alberto Naudon, stellvertretender Gouverneur der chilenischen Zentralbank, beleuchtet Chiles makroökonomische Normalisierung. Er betont die robuste Wirtschaftsentwicklung und die Konvergenz der Inflation zum Ziel, warnt aber vor globalen Unsicherheiten.
Wirtschaft wächst robuster als erwartet
Chiles Wirtschaft zeigte sich 2025 widerstandsfähiger als erwartet.
Trotz anfänglicher Sorgen um Kreditdynamik und Arbeitsmarkt übertrafen Aktivitätsdaten wiederholt die Prognosen, was zu einer breiteren Erholung der Binnennachfrage führte.
Die Nicht-Bergbau-Komponente wuchs um fast 3 Prozent, einen Prozentpunkt über den ursprünglichen Schätzungen.
Haupttreiber waren ein günstigeres externes Umfeld, gestützt durch globale Widerstandsfähigkeit (insbesondere in den USA durch KI-Investitionen und hohe Kupferpreise), sowie robuste Investitionen.
Die Bruttoanlageinvestitionen stiegen 2025 um fast 7 Prozent, angetrieben durch Maschinen und Ausrüstung in Bergbau- und Energieprojekten.
Der private Konsum erholte sich graduell, unterstützt durch steigende Reallöhne und verbesserte Erwartungen.
Jüngste Daten zeigten eine leichte Moderation, die jedoch auf transitorische Faktoren zurückzuführen ist und die positive Einschätzung der Binnennachfrage nicht ändert.
Inflation auf Zielkurs, Zinsen stabil
Die Inflation zeigte 2025 einen weniger linearen Verlauf.
Nach anfänglichen Bedenken sank sie in der zweiten Jahreshälfte schneller als erwartet, gestützt durch niedrigere Güterpreise und restriktive Geldpolitik.
Die Zentralbank erwartet nun eine Konvergenz zum 3-Prozent-Ziel im ersten Quartal 2026.
Aktuell liegen die Gesamtinflation bei 3,5 Prozent und die Kerninflation bei 3,3 Prozent.
Die Inflationserwartungen für zwei Jahre sind fest bei 3 Prozent verankert.
Der EZB-Rat beschloss einstimmig, den Leitzins bei 4,5 Prozent zu belassen.
Diese Entscheidung wird mit der transitorischen Aktivitätsschwäche, den nachlassenden kurzfristigen Inflationsdruck und den gut verankerten Erwartungen begründet.
Produktivität, Wechselkurs, Geopolitik
Die Frage nach nachhaltigem Produktivitätswachstum bleibt offen, da zyklische Faktoren eine Rolle spielen könnten.
Zudem erfordert die Entwicklung des realen Wechselkurses genaue Beobachtung, um die wahren Treiber der Aufwertung zu verstehen.
Angesichts anhaltender geopolitischer Risiken und hoher Asset-Bewertungen bleibt die globale Unsicherheit eine konstante Herausforderung.