CNB-Chef Michl fordert dauerhaft hohe Zinsen
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CNB-Chef Michl fordert dauerhaft hohe Zinsen

CNB-Gouverneur Aleš Michl plädiert für eine dauerhaft restriktive Geldpolitik. Er betonte in einem Vortrag am MIT, dass Zinsen länger hoch bleiben müssen, um die Inflation nachhaltig zu zähmen.

Vom Inflationsrekord zum Ziel

Aleš Michl übernahm im Juli 2022 die tschechische Nationalbank (CNB), als die Inflation bei 17,5 Prozent lag und kurz darauf auf 18 Prozent ihren Höhepunkt erreichte – den höchsten Wert in der Geschichte der Tschechischen Republik seit den frühen 1990er Jahren.

Bis Februar 2024 gelang es der CNB, die jährliche Inflationsrate auf ihr Ziel von 2 Prozent zu senken, als eine der ersten Zentralbanken in Europa.

Michl versprach bei Amtsantritt, die Inflation innerhalb von zwei Jahren zu zähmen.

Die Strategie umfasste das Halten der Zinsen bei 7 Prozent, eine 'höher für länger'-Guidance und die Stärkung der Koruna, um Importe zu verbilligen.

Entgegen der Meinung lokaler Ökonomen gewann die CNB Vertrauen.

Die Koruna erreichte im Frühjahr 2023 ihren historischen Höchststand, was zusammen mit dem 7-Prozent-Zins zu den straffsten monetären Bedingungen seit 20 Jahren führte.

Michl nutzte alle Kommunikationskanäle, von Fachvorträgen bis zu sozialen Medien, um die Strategie zu erklären.

Daten bestätigten später, dass der starke Wechselkurs und die Entspannung globaler Rohstoffpreise zur Inflationssenkung beitrugen.

Die CNB verfolgte zudem hochfrequente Indikatoren zur Nachfrageüberwachung und verhinderte eine Lohn-Preis-Spirale.

Interne Sparmaßnahmen und Lohnzurückhaltung der Führungsebene stärkten das Vertrauen.

Fehler der Vor-Covid-Ära

Michl kritisierte die CNB-Politik vor Covid als zu nachgiebig, was die Inflation effektiv unterstützte.

Jahre extrem niedriger Nominal- und negativer Realzinsen, kombiniert mit Staatsdefiziten und einem Kostenschock, führten zur höchsten Inflation seit rund 30 Jahren.

Dies müsse nun durch eine restriktive Geldpolitik ausgeglichen werden, mit längerfristig höheren Zinsen und positiven Realzinsen zur Förderung des Sparens.

Ein spezifisches Problem war die Wechselkursabwertungspolitik der CNB zwischen 2013 und 2017, die bewusst zur Inflationsauslösung eingesetzt wurde.

Dies führte zu einem massiven Anstieg der Geldmenge im Bankensektor und einer Verdoppelung der freien Liquidität.

Die erhöhte Geldmenge trieb primär Vermögenspreise wie Immobilien in die Höhe (plus 110 Prozent zwischen 2016 und 2022), was die Inflation durch die CPI-Messung unterschätzte.

Auch die Reduzierung der Staatsdefizite spielte eine wichtige Rolle.

KI als Inflationswächter

Michls Vortrag unterstreicht einen Paradigmenwechsel hin zu einer proaktiven, datengesteuerten Geldpolitik, die vergangene Fehler anerkennt und neue Technologien wie KI zur Inflationsprognose einsetzt.

Dieser aggressive Ansatz, der auf 'höher für länger' setzt, könnte als Blaupause für andere kleine, offene Volkswirtschaften dienen, die ähnlichen Inflationsdruck erleben.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob eine dauerhaft restriktive Strategie langfristig ohne negative Nebenwirkungen auf Wachstum und Beschäftigung umsetzbar ist.

Quelle: Aleš Michl: Forever hawkish

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