Geldpolitik im Euroraum asymmetrisch: Straffung wirkt, Lockerung kaum
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Geldpolitik im Euroraum asymmetrisch: Straffung wirkt, Lockerung kaum

Eine neue OeNB-Studie zeigt signifikante Asymmetrien in der Geldpolitik des Euroraums. Während geldpolitische Straffungen klare Effekte auf Kredit, Produktion und Inflation haben, bleiben Lockerungen weitgehend wirkungslos.

Straffung wirkt, Lockerung verpufft

Eine Studie der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) identifiziert signifikante Asymmetrien in der Wirkung der Geldpolitik im Euroraum.

Geldpolitische Straffungen zeigen klare und persistente Effekte auf Kreditvergabe, Wirtschaftsleistung und Inflation.

Im Gegensatz dazu haben geldpolitische Lockerungen nur schwache oder statistisch insignifikante Auswirkungen.

Diese Ergebnisse basieren auf einem flexiblen nicht-linearen Mixed-Frequency-Modell, das die Kreditvergabe über Banken explizit berücksichtigt.

Die Autoren betonen, dass diese Asymmetrien über den Konjunkturzyklus oder an der effektiven Untergrenze der Zinsen hinweg weitgehend stabil bleiben, was auf strukturelle Ursachen hindeutet.

Strukturelle Asymmetrien statt Konjunktur

Die Studie hebt hervor, dass die beobachteten Asymmetrien nicht primär durch den Wirtschaftszyklus oder spezifische Phasen wie die effektive Untergrenze der Zinsen (ELB) bedingt sind.

Stattdessen sind sie in strukturellen Merkmalen der Reaktion von Banken und Kreditnehmern auf geldpolitische Impulse verwurzelt.

Die Forscher nutzen Daten aus der Bank Lending Survey (BLS) des Eurosystems, um bankbasierte Transmissionskanäle zu analysieren.

Der flexible nicht-parametrische Ansatz des Modells erlaubt es, komplexe nicht-lineare Beziehungen ohne Annahme einer spezifischen Funktionsform zu erfassen, was einen Fortschritt gegenüber früheren linearen Modellen darstellt.

Implikationen für die EZB-Strategie

Diese Ergebnisse sind für die EZB von hoher Relevanz, da sie die Wirksamkeit ihrer geldpolitischen Instrumente in unterschiedlichen Phasen beleuchten.

Die Erkenntnis, dass Lockerungen weniger durchschlagend sind, könnte eine vorsichtigere Herangehensweise an expansive Maßnahmen nahelegen.

Langfristig erfordert dies eine tiefere Analyse der strukturellen Faktoren, die diese Asymmetrien verursachen, um die geldpolitische Transmission besser zu verstehen und zu steuern.

Quelle: Are there asymmetries in euro area monetary policy?

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