BIS-Studie: Kolumbiens Kreditregeln ohne Effekt auf Kreditvergabe
Eine neue BIS-Studie untersucht die Auswirkungen erhöhter Rückstellungsanforderungen für Konsumentenkredite in Kolumbien. Die 2023 eingeführten Regeln stärkten die Widerstandsfähigkeit der Banken, beeinflussten die Kreditvergabe aber kaum.
Regeln stärken Banken, Kreditfluss bleibt unberührt
Die kolumbianische Finanzaufsichtsbehörde (SFC) führte im Januar 2023 höhere Rückstellungsanforderungen für langfristige Konsumentenkredite ein.
Ziel war es, die finanzielle Widerstandsfähigkeit gegen Kreditrisiken zu erhöhen und das schnelle Wachstum der Konsumentenkredite zu moderieren.
Konkret mussten für neue Kredite mit Laufzeiten über 72 bzw. 108 Monaten die Rückstellungen um 10% bzw. 40% erhöht werden.
Die Studie zeigt, dass diese Maßnahme die Deckungsquote der Kreditinstitute verbesserte und somit das Resilienz-Ziel erreichte.
Jedoch hatte sie keinen signifikanten Einfluss auf die allgemeine Kreditvergabe für längerfristige Darlehen, weder bei Kreditbeträgen noch bei Zinssätzen oder Sicherheitenanforderungen.
Kleinere Kreditgeber verschärften jedoch die Kreditvergabe für Kredite mit Laufzeiten über 108 Monate, während größere Institute die höheren Kosten absorbierten, ohne ihre Konditionen zu ändern.
Kolumbiens Kreditboom und die Antwort der Aufsicht
Kolumbien erlebte 2021 und 2022 eine rasche Erholung nach der Pandemie, begleitet von einem starken Wachstum der Konsumentenkredite.
Ab der zweiten Jahreshälfte 2022 verschlechterte sich jedoch die Kreditqualität, mit steigenden kurzfristigen Ausfallraten.
Dies geschah vor dem Hintergrund steigender Inflation, strafferer Geldpolitik und einer sich verlangsamenden Wirtschaft.
Als Reaktion auf diese Herausforderungen erließ die SFC im November 2022 die Externe Zirkular 026, die neue Richtlinien für die Risikovorsorge bei Konsumentenkrediten festlegte.
Diese Maßnahme sollte ein gesundes und nachhaltiges Wachstum des Portfolios fördern und der potenziellen Verschlechterung der Rückzahlungsfähigkeit der Kreditnehmer entgegenwirken.
Die kolumbianische Aufsicht hat ihr Rahmenwerk seit 2002 von einem reaktiven zu einem risikosensitiven, vorausschauenden Ansatz entwickelt, der auch antizyklische Puffer und erwartete Verlustmodelle umfasst.
Gezielte Wirkung, breite Effekte bleiben aus
Die Studie zeigt eine ambivalente Wirkung der kolumbianischen Rückstellungsregeln: Während die Widerstandsfähigkeit kleinerer Banken gestärkt wurde, blieb der breite Einfluss auf die Kreditvergabe aus.
Dies deutet darauf hin, dass makroprudenzielle Maßnahmen in einem Umfeld straffer Geldpolitik nur begrenzte zusätzliche Effekte entfalten können.
Für die Finanzstabilität ist die erhöhte Deckungsquote positiv, die Lenkungswirkung auf den Kreditmarkt jedoch überschaubar.