Geldmarktfonds: Systemrisiko im Spekulationsboom
Eine neue BIZ-Studie untersucht den Beitrag von 3.500 Geldmarktfonds (MMFs) zum Systemrisiko in den USA von 2004 bis 2022. Sie zeigt, dass MMF-Merkmale das Systemrisiko signifikant beeinflussen, insbesondere während Vermögenspreisblasen.
Größe und Art beeinflussen Risiko
Die Studie analysiert 3.500 US-Geldmarktfonds zwischen Januar 2004 und Dezember 2022 und identifiziert zwei Hauptphasen von Vermögenspreisblasen.
Sie belegt, dass die Eigenschaften von MMFs deren Beitrag zum Systemrisiko maßgeblich prägen.
Große MMFs und solche, die ausschließlich in US-Staatsanleihen investieren (Government MMFs), mindern das Systemrisiko.
Im Gegensatz dazu erhöhen Prime MMFs, die in kurzfristige Unternehmensschulden investieren, das Systemrisiko.
Offshore-MMFs, die in US-Dollar denominiert sind, zeigen keine signifikanten Unterschiede zu ihren US-domizilierten Pendants.
Ein Anstieg der MMF-Größe um eine Standardabweichung reduziert das ∆CoVaR in normalen Zeiten um 11,7 Basispunkte, was eine Verringerung der globalen Finanzfragilität bedeutet.
Während Phasen von Aktienbooms führt derselbe Anstieg jedoch zu einer Erhöhung des ∆CoVaR um 5,68 Basispunkte, was auf ein höheres Systemrisiko hindeutet.
Nichtbanken im Fokus
Nichtbanken-Finanzintermediäre (NBFIs) machen inzwischen fast 50 Prozent des globalen Finanzsystems aus und rücken zunehmend in den Fokus der Aufsichtsbehörden.
MMFs sind dabei ein zentraler Bestandteil, da sie bankähnliche Funktionen erfüllen und Anlegern eine Alternative zu Bankeinlagen bieten.
Trotz ihrer Bedeutung sind MMFs weniger reguliert als Banken, was nach der Finanzkrise 2008 zu einer potenziellen Risikoverlagerung führte.
MMFs waren bereits in früheren Krisen, wie 2008 und 2020, eine Quelle finanzieller Anspannung, was ihre Relevanz für die Finanzstabilität unterstreicht.
Die Studie verwendet den Backward Supremum Augmented Dickey Fuller (BSADF) Test zur Blasenerkennung und ∆CoVaR als primäres Systemrisikomaß.
Ein Weckruf für Regulierer
Diese Forschung schließt eine wichtige Lücke in der Literatur, indem sie die Rolle von Geldmarktfonds bei der Entstehung von Systemrisiken während Vermögenspreisblasen beleuchtet.
Die Erkenntnisse sind ein klarer Hinweis an die Politik, das Wachstum von MMFs in euphorischen Marktphasen genau zu überwachen und entsprechende Anpassungen in den Überwachungsrahmen vorzunehmen.
Nur so lässt sich verhindern, dass eine scheinbar stabile Branche in Zeiten der Euphorie zu einem unerkannten Brandbeschleuniger für die Finanzstabilität wird.