Globale Unsicherheit fordert internationale Finanzsysteme
Ayman Al-Sayari, Gouverneur der Saudi Central Bank, beleuchtet die Auswirkungen globaler Unsicherheit auf die internationalen Währungs- und Finanzsysteme. Er identifiziert geopolitische Fragmentierung, technologischen Wandel, Rohstoffpreise und Non-Bank Financial Intermediation als Haupttreiber.
Geopolitik, KI und Schattenbanken
Die globale Unsicherheit wird von vier Hauptfaktoren angetrieben: geopolitische Fragmentierung, rasanter technologischer Wandel (insbesondere KI), volatile Rohstoffpreise und das Wachstum der Non-Bank Financial Intermediation (NBFI).
Letztere hat das Bankensystem in Bezug auf die Größe übertroffen und macht über 51 Prozent aus, was die Marktempfindlichkeit gegenüber politischen Signalen schwächt.
Diese Faktoren führen zu multidimensionalen Schocks, die sich durch Marktmechanismen wie Margin Calls und synchronisierte Deleveraging-Prozesse ausbreiten.
Schwellenländer sind aufgrund ihrer begrenzten Fähigkeit zur Schockabsorption besonders anfällig.
Geopolitische Spannungen, Handelsfragmentierung und hohe Schuldenstände stellen die größten Herausforderungen dar.
Anhaltende Handelsspannungen könnten inflationären Druck verstärken, Exporterlöse mindern und Wachstumsaussichten schwächen, was wiederum die Kapitalflussvolatilität erhöht und das politische Umfeld kompliziert.
Resilienz durch Politik und Reserven
Zwei Schlüsselmerkmale unterscheiden resiliente von fragilen Volkswirtschaften: kohärente geld-, fiskal- und finanzpolitische Rahmenwerke, die antizyklische Reaktionen unterstützen, sowie effektive Schockabsorber durch adäquate Devisenreserven und eine größere Finanzmarkttiefe.
Saudi-Arabien dient als Beispiel mit ausreichenden Reservepuffern und antizyklischen Politiken in seiner ressourcenbasierten Wirtschaft.
Die Wechselkursanbindung hat in den letzten vier Jahrzehnten zur Preisstabilität beigetragen, wobei die jährliche Inflation in den letzten fünf Jahren unter 3 Prozent lag.
Zur Erreichung globaler Stabilität ist eine Stärkung der internationalen Zusammenarbeit unerlässlich, insbesondere durch den Austausch von Erfahrungen unter politischen Entscheidungsträgern, um eine besser informierte und reaktionsfähigere Regulierung zu fördern.
Dollar bleibt Ankerpunkt
Al-Sayari ordnet die De-Dollarisierung als graduelle Diversifikation ein, die den Status des US-Dollars als Leitwährung nicht gefährdet.
Trotz jüngster Schwankungen belegen die Dominanz in Handel und Reserven sowie die robuste Liquidität seine anhaltende zentrale Rolle im internationalen Finanzsystem.
Die strukturellen Vorteile des Dollars sind zu stark, um in absehbarer Zeit von einer echten Wende zu sprechen.