Al-Sayari: Krieg im Nahen Osten schürt Stagflationsrisiko
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Al-Sayari: Krieg im Nahen Osten schürt Stag­fla­ti­ons­ri­si­ko

Der Gouverneur der Saudi Central Bank, Ayman Al-Sayari, warnt vor einer globalen Stagflation, ausgelöst durch den Krieg im Nahen Osten. Er fordert eine stärkere Rolle des IWF zur Sicherung der makroökonomischen und finanziellen Stabilität.

Geopolitische Spannungen belasten Weltwirtschaft

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten stellen eine erhebliche Belastung für die Weltwirtschaft dar und könnten zu einer Stagflation ähnlich den 1970er Jahren führen.

Der resultierende negative Angebotsschock übertrifft voraussichtlich die Auswirkungen des Post-Pandemie-Energieschocks, da das globale Umfeld bereits von gedämpftem Wachstum, hoher Verschuldung und begrenztem politischen Spielraum geprägt ist.

Störungen der Schifffahrtsrouten und Energieversorgungsketten, insbesondere bei Öl und Gas, erhöhen die Energieunsicherheit und wirken sich auf Rohstoffmärkte, Finanzbedingungen und das Vertrauen aus.

Die Breite und Persistenz dieser Effekte, die über Energiemärkte und den Nahen Osten hinausgehen, werden möglicherweise unterschätzt.

Volkswirtschaften mit begrenzten Puffern, darunter Rohstoffimporteure, Länder mit niedrigem Einkommen und von Konflikten betroffene Staaten, werden die akutesten Auswirkungen spüren, was bereits bestehende strukturelle Schwachstellen verschärft.

Die Energieversorgungssicherheit ist daher integraler Bestandteil der makroökonomischen und finanziellen Stabilität.

IWF als Anker in komplexer Welt

In diesem komplexen Umfeld hängt die Relevanz des Internationalen Währungsfonds (IWF) von seiner Fähigkeit ab, Überwachung, Kreditvergabe und Kapazitätsentwicklung fest in seinem Kernmandat zur Sicherung der makroökonomischen und finanziellen Stabilität zu verankern.

Die anhaltenden Energieschocks werden voraussichtlich die Nachfrage nach IWF-Ressourcen erhöhen.

Eine verstärkte globale Politikkoordination ist entscheidend.

Die Fiskalpolitik sollte das Vertrauen erhalten und Puffer wieder aufbauen, während die Qualität der Ausgaben und Investitionen sowie die Energiesicherheit Priorität haben.

Die Geldpolitik muss Glaubwürdigkeit und Preisstabilität gewährleisten.

Finanzsektorpolitiken sollten die Resilienz stärken und Spillover-Effekte eindämmen, unter anderem durch eine effektive Aufsicht über Nichtbanken-Finanzinstitute (NBFIs) und die fortgesetzte Umsetzung internationaler Regulierungsstandards.

Strukturelle Politiken sollten einen stärkeren Fokus auf Resilienz legen, einschließlich Energiesicherheit, kritischer Infrastruktur und starker Institutionen.

Die Überprüfung der Konditionalität soll einen fokussierteren Ansatz bei der Programmgestaltung fördern, mit größerem Gewicht auf Priorisierung, Sequenzierung und Realismus.

Resilienz durch langfristige Planung

Saudi-Arabiens Wirtschaft setzt ihre Transformationsagenda erfolgreich um und zeigt dabei eine starke Widerstandsfähigkeit, gestützt durch solides makroökonomisches Management und robuste Puffer.

Dieses Land ist in der Lage, erhöhten regionalen Unsicherheiten aus einer Position makrofinanzieller Stärke zu begegnen.

Die Resilienz spiegelt nicht nur ein umsichtiges kurzfristiges Politikmanagement wider, sondern auch die kumulativen Auswirkungen langfristiger Strukturreformen und Investitionen.

Jahrzehntelange Reformen und strategische Voraussicht haben die Schockabsorptionskapazität und operative Flexibilität des Königreichs materiell gestärkt.