Bankenregulierung bei Staatspleite-Risiko
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Bankenregulierung bei Staatspleite-Risiko

Eine neue Studie der Philadelphia Fed zeigt: Wenn Banken Staatsanleihen als risikofrei behandeln dürfen, obwohl sie es nicht sind, führt dies zu exzessiver Risikobereitschaft. Dies senkt zwar die Staatsverschuldungskosten, birgt aber das Risiko von Bankenkrisen.

Das Glücksspiel mit Einlagen

Die Studie analysiert, wie die gängige Praxis, Staatsanleihen in der Bankenregulierung als risikofrei einzustufen, selbst wenn sie es nicht sind, zu einem moralischen Hazard führt.

Banken werden dazu verleitet, mit Einlagen zu „spielen“, indem sie riskante Staatsanleihen und damit korrelierte Vermögenswerte kaufen.

Dies führt dazu, dass Staatspleiten direkt in Bankenkrisen münden, wie Beispiele aus Russland (1998), Argentinien (2001) und der Eurozone (2010er) zeigen.

Die Autoren belegen empirisch, dass in diesen Krisen die Bestände an heimischen Staatsanleihen in regulierten Banken stark anstiegen, während die Ausfallrisiken zunahmen.

Die Arbeit argumentiert, dass unzureichende Vorschriften für diese übermäßige Exposition verantwortlich sind.

Regulierer als Spieler

Das Modell der Ökonomen zeigt, dass die Regierung einen Anreiz hat, das Risiko von Staatsanleihen zu ignorieren.

Indem sie Banken das „Glücksspiel“ erlaubt, senkt sie ihre eigenen Kreditkosten ex-ante.

Eine hoch verschuldete Regierung kann so einen drohenden Staatsbankrott hinauszögern oder verhindern.

Die Autoren formalisieren diese Idee mit einem erweiterten Modell, das die Wahl der Regierung zwischen sofortigem Default und dem Risiko einer größeren Krise in der nächsten Periode explizit berücksichtigt.

Ein amtsmotivierter Politiker wird demnach eher das Risiko einer laxen Regulierung eingehen, um einen sofortigen Default zu vermeiden.

Dies verschiebt das Risiko auf risikoscheue Einleger.

Ein systemisches Dilemma

Die Studie legt den Finger in eine offene Wunde der Finanzstabilität: Die Verflechtung von Staats- und Bankenrisiken ist nicht nur ein Marktphänomen, sondern ein regulatorisches Konstrukt.

Sie zeigt auf, wie kurzfristige politische Anreize langfristige systemische Risiken schaffen und die Last auf die Gesellschaft verlagern.

Die empirische Evidenz untermauert die theoretischen Vorhersagen und macht die Arbeit hochrelevant für die laufende Debatte um die Reform der Bankenregulierung.

Quelle: Banking Regulation with Risk of Sovereign Default

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