Islands Finanzaufsicht: Vereinfachung trifft neue Risiken
Björk Sigurgísladóttir, stellvertretende Gouverneurin der Zentralbank Islands, beleuchtet die Vereinfachung der Finanzaufsicht. Sie spricht über Erfolge und die Herausforderungen durch neue Technologien und globale Risiken.
Weniger Regeln, mehr Effizienz
Die Zentralbank Islands hat 2025 die Vereinfachung der Finanzaufsicht als strategische Priorität vorangetrieben.
Ein Aktionsplan führte zur Aufhebung von vierzehn Aufsichtsrichtlinien, deren Inhalte nun in bestehende Vorschriften integriert oder in Q&A-Dokumenten behandelt werden.
Ebenso wurden Meldepflichten reduziert und die Bewertung der Eignung von Vorstandsmitgliedern überarbeitet, um den administrativen Aufwand zu senken.
Diese Schritte sollen die Effizienz steigern und den Arbeitsaufwand für beaufsichtigte Unternehmen sowie die Zentralbank selbst verringern, ohne die Anforderungen zu lockern.
Die Bank konzentrierte ihre risikobasierte Aufsicht auf systemrelevante und risikoreichere Unternehmen.
Im Bereich Verbraucherschutz wurden Vertriebspraktiken bei Pensionsversicherungen überprüft und Regulierungsanpassungen gefordert.
Ein Bericht im November zeigte einen Anstieg des Betrugs bei Zahlungsdiensten auf über eine Milliarde ISK zwischen Mitte 2024 und Mitte 2025, wovon etwa ein Drittel zurückgewonnen wurde.
Regulierungsflut und Cyber-Risiken
Trotz der Vereinfachungsbemühungen stehen der Finanzaufsicht Islands weiterhin erhebliche Herausforderungen bevor.
In den letzten fünf Jahren hat Island über hundert europäische Regulierungsinstrumente in nationales Recht überführt, was zu zusätzlichen Aufgaben für den Finanzmarkt und die Zentralbank führt.
Die Bank begegnet dieser Regulierungsflut mit systematischer Arbeit, um Anforderungen klarer und zugänglicher zu machen, etwa durch Informationsveranstaltungen und eine neue Suchmaschine auf ihrer Website.
Gleichzeitig erfordern technologische Fortschritte wie Cyber- und IT-Risiken eine Stärkung der Expertise und Datenanalyse sowie die Entwicklung neuer Aufsichtsmethoden.
Die Zentralbank betont dabei die Chancen eines verantwortungsvollen Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Effizienzsteigerung.
Auch globale Bedingungen bergen Risiken für das isländische Finanzsystem, die eine Analyse direkter und indirekter Effekte erfordern.
Die Europäische Kommission plant ebenfalls eine Vereinfachung des Regulierungsrahmens und hat dazu eine Konsultation bis zum 19. April initiiert, an der die Zentralbank Islands zur Teilnahme ermutigt.
Balanceakt zwischen Einfachheit und Sicherheit
Die Balance zwischen Vereinfachung und robuster Aufsicht bleibt eine Gratwanderung, wie Sigurgísladóttir betont.
Zwar ist die Reduzierung bürokratischer Hürden essenziell für die Effizienz des Finanzmarktes, doch darf dies keinesfalls zu einer Schwächung der Finanzstabilität führen.
Die Herausforderung liegt darin, die regulatorische Last zu optimieren, während gleichzeitig neue Risiken durch Technologie und globale Unsicherheiten adäquat adressiert werden.