Makro-News: Uneinigkeit dämpft Anleihen-Reaktion, Unsicherheit verstärkt
Eine neue BIS-Studie zeigt, dass die Reaktion von Anleiherenditen auf makroökonomische Überraschungen von der Uneinigkeit bei Prognosen und der geldpolitischen Unsicherheit abhängt. Größere Uneinigkeit dämpft die Reaktion, während höhere Unsicherheit sie verstärkt.
Das Paradox der Marktreaktion
Anleiherenditen reagieren auf makroökonomische Überraschungen, doch die Stärke dieser Reaktion hängt von der Uneinigkeit bei Makroprognosen und der geldpolitischen Unsicherheit ab.
Eine BIZ-Studie untersucht Intraday-Reaktionen von US-Treasury-Futures auf Überraschungen bei sechs wichtigen Makrodaten wie VPI, Nonfarm Payrolls und BIP.
Die Ergebnisse zeigen gegensätzliche Effekte: Größere Uneinigkeit unter den Prognostikern dämpft die Reaktion der Zinskurve, während höhere geldpolitische Unsicherheit sie verstärkt.
Dieses Muster galt vor 2020 für die meisten Indikatoren, mit Ausnahme von Inflationsüberraschungen.
Nach der Post-COVID-Inflationswelle wurde die Reaktion auf VPI-Überraschungen erstmals positiv durch Unsicherheit bedingt, während die Reaktion auf Nonfarm Payrolls sich halbierte.
Ein Bayesian-Learning-Modell rationalisiert diese Befunde: Eine große Streuung der Erwartungen deutet auf eine schwächere Verbindung zwischen der Makrovariablen und der zukünftigen Geldpolitik hin, was den Informationswert von Makro-News mindert.
Umgekehrt sind makroökonomische Ankündigungen in Zeiten hoher geldpolitischer Unsicherheit informativer über den zukünftigen Zinspfad.
Jenseits der Rationalen Aufmerksamkeit
Das Bayesian-Learning-Modell unterscheidet sich von der rationalen Aufmerksamkeit: Uneinigkeit entsteht hier aus heterogenen Prognosemodellen, und die Signalpräzision ist exogen zur Unsicherheit.
Dies erlaubt Uneinigkeit und geldpolitischer Unsicherheit, als unabhängige Konditionierungsvariablen mit unterschiedlichen Effekten auf Renditereaktionen zu wirken.
Die Studie erklärt zudem Post-COVID-Verschiebungen: Die Präzision des VPI als Signal für die zukünftige Geldpolitik stieg, da die Fed der Inflation in ihrer Reaktionsfunktion mehr Gewicht beimaß.
Gleichzeitig sank die Präzision der Nonfarm Payrolls als Signal für den Zinspfad, bedingt durch Messrauschen und die Verdrängung durch den VPI als marginales Politiksignal.
Einheitlicher Rahmen, neue Perspektiven
Die Studie liefert einen überzeugenden, einheitlichen Rahmen zur Erklärung komplexer Marktreaktionen.
Insbesondere die Differenzierung zwischen Prognoseuneinigkeit und geldpolitischer Unsicherheit bietet neue Ansätze für die Analyse von Anleihemärkten.
Für Zentralbanken bedeutet dies, dass die Kommunikation über die eigene Reaktionsfunktion entscheidend ist, um die Informationsverarbeitung der Märkte zu steuern.