Balz fordert digitale Souveränität für Europas Finanzsystem
Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, skizziert in einer Rede vom 3. Februar 2026 die Zukunftssicherung des europäischen Finanzsystems. Er betont die Notwendigkeit von Innovation, Stabilität und Souveränität durch digitale Währungen und Regulierung.
MiCAR als Meilenstein gegen Dollar-Dominanz
Burkhard Balz fordert einen klaren und verhältnismäßigen Blick auf das Krypto-Ökosystem.
Aktuell seien systemische Risiken begrenzt, doch mit der Expansion von Krypto-Aktivitäten könnten diese in das regulierte System migrieren.
Die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCAR) sei ein wichtiger Meilenstein für einen harmonisierten EU-Rahmen, der verantwortungsvolle Innovation unterstütze und Schutz für Stabilität und Anleger biete.
MiCAR müsse jedoch ein lebendiger Rahmen bleiben, der kontinuierliche Überwachung und gezielte Anpassungen erfordere.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Stablecoins, die für Abwicklungs- und Zahlungszwecke geeignet sind, aber Liquiditäts-, Betriebs- und Run-Risiken bergen.
Strategisch sei die Dominanz von US-Dollar-denominierten Stablecoins in Europa problematisch, da sie eine Re-Dollarisierung im digitalen Finanzwesen fördern könnte.
Europa müsse neue Abhängigkeiten vermeiden und Bedingungen schaffen, die die Entwicklung und Marktrelevanz von Euro-denominierten Stablecoins ermöglichen.
Pragmatische Regelanpassungen, etwa bei Multi-Issuance-Modellen, seien entscheidend, um die Stabilität zu wahren und eine vertrauenswürdige öffentliche Grundlage zu sichern.
Pontes, Appia und der digitale Euro als Souveränitätsanker
Burkhard Balz hebt die Bedeutung von Wholesale Central Bank Digital Currency (wCBDC) hervor, um Großzahlungen und Finanzmarktabwicklungen weiterhin in Zentralbankgeld zu verankern.
Das Eurosystem verfolgt dies mit den Initiativen Pontes und Appia: Pontes als kurzfristiger Brückenbauer zu bestehenden TARGET Services und Appia als langfristige Erkundung zukünftiger Abwicklungsarchitekturen.
Ziel ist es, Innovation und Sicherheit zu verbinden und Europas strategische Autonomie zu wahren.
Der digitale Euro soll den Zugang zu Zentralbankgeld im digitalen Zeitalter sichern.
Er dient als monetärer Anker, fördert ein integriertes europäisches Zahlungssystem und stärkt die Resilienz sowie Souveränität gegenüber nicht-europäischen Infrastrukturen.
Das Projekt hat politische Relevanz gewonnen, und die EZB wird Ende Februar 2026 einen Aufruf zur Teilnahme an Pilotaktivitäten starten.
Das Eurosystem strebt eine Bereitschaft zur ersten Ausgabe des digitalen Euros im Jahr 2029 an, sofern die Gesetzgebung 2026 verabschiedet wird.
Europa muss handeln, nicht nur debattieren
Balz' Rede ist ein deutlicher Appell an Europa, seine digitale Finanzzukunft aktiv zu gestalten.
Die Warnung vor "gefährlicher Abhängigkeit" im Finanzsektor, ähnlich der Energiekrise, unterstreicht die Dringlichkeit.
Es geht nicht nur um technische Innovation, sondern um eine strategische Neuausrichtung, die Europas Handlungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit im globalen digitalen Raum sichert.