Stablecoins: BIS und EZB diskutieren Folgen für Zentralbanken
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und die Europäische Zentralbank (EZB) veranstalten einen Workshop zu Stablecoins. Experten erörtern vom 16. bis 17. Juni in Frankfurt deren Auswirkungen auf Zentralbankbilanzen, Geldpolitik und Finanzstabilität.
Neue Herausforderung für Geldpolitik
Der Workshop konzentriert sich auf die weitreichenden Implikationen von Stablecoins (SCs) für Zentralbanken.
Im Fokus stehen Szenarien, in denen SCs als Zahlungsmittel oder Wertspeicher fungieren.
Treibende Kräfte für ihre Verbreitung sind Designmerkmale wie der Zugang zu Zentralbankbilanzen und sichere kurzfristige Vermögenswerte, aber auch andere digitale Innovationen wie tokenisierte Bankeinlagen oder digitale Zentralbankwährungen (CBDCs).
Die Diskussionen umfassen, wie diese Merkmale zusammen mit regulatorischen Standards und den Kosten für den Umtausch zwischen Stablecoins und Fiat-Währungen die Akzeptanz über verschiedene Währungen und Jurisdiktionen hinweg beeinflussen.
Ein zentrales Thema ist der potenzielle Einfluss von SCs auf Geldmärkte und Banken.
Eine erhöhte Nachfrage nach den SCs zugrunde liegenden Reserveaktiva könnte Renditen, Liquidität und Volatilität an kurzfristigen Geld- und Devisenmärkten beeinflussen, was Kaskadeneffekte auf verbundene Märkte hätte.
Dies könnte auch die Zusammensetzung der Bankenfinanzierung und deren Kosten sowie die Empfindlichkeit gegenüber Leitzinsänderungen beeinflussen.
Die genaue Zusammensetzung der Reserveaktiva ist hierbei entscheidend.
Geldpolitische Souveränität in Gefahr?
Eine breite Akzeptanz von Stablecoins könnte die geldpolitische Transmission erheblich verändern, indem sie Zins- und Kreditkanäle beeinflusst, insbesondere in Stressphasen.
Fremdwährungs-Stablecoins könnten den Wechselkurskanal verstärken.
Für Volkswirtschaften mit schwächeren Fundamentaldaten besteht das Risiko der monetären Souveränität, falls fremdwährungsgebundene Stablecoins zu einer "Dollarisierung" führen.
Der Workshop beleuchtet zudem die Auswirkungen auf die operativen Rahmenwerke der Zentralbanken, einschließlich des potenziellen Zugangs von SC-Emittenten zu Zentralbankbilanzen.
Dies umfasst die Abwägung von Vorteilen, Risiken und Kompromissen, sowie den Einfluss auf die Nachfrage nach Zentralbankreserven und die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen wie Zugangskriterien oder gestaffelter Vergütung.
Ein Weckruf für Regulierer
Dieser Workshop unterstreicht die dringende Notwendigkeit für Zentralbanken, das disruptive Potenzial von Stablecoins proaktiv anzugehen.
Obwohl sie Effizienzgewinne bieten, könnte ihre unkontrollierte Verbreitung die Wirksamkeit der Geldpolitik und die Finanzstabilität untergraben.
Die gewonnenen Erkenntnisse werden entscheidend sein, um regulatorische Rahmenbedingungen zu entwickeln, die Innovation fördern, ohne systemische Risiken zu schaffen.