Rhee: Strukturreformen wichtiger als Geldpolitik
Chang Yong Rhee, scheidender Gouverneur der Bank of Korea, zieht Bilanz über vier krisenreiche Jahre. Er betont die Notwendigkeit tiefgreifender Strukturreformen über Geld- und Fiskalpolitik hinaus.
Vier Jahre im Krisenmodus
Chang Yong Rhee blickt auf eine Amtszeit voller unvorhergesehener Schocks zurück.
Nach seiner Amtseinführung musste die Bank of Korea den Leitzins auf 3,5 Prozent anheben, inklusive zweier „Big-Step“-Erhöhungen, um die global beschleunigte Inflation nach dem Russland-Ukraine-Krieg zu bekämpfen.
Auch Immobilienunruhen, die Pleite der Silicon Valley Bank in den USA und eine beispiellose Verhängung des Kriegsrechts stellten Risiken für die Finanzstabilität dar.
Trotz dieser Herausforderungen gelang es Rhee, die Inflation vor anderen großen Zentralbanken auf das Zielniveau von rund 2 Prozent zu senken.
Weitere Erfolge waren die Einführung einer koreanischen Forward Guidance, die Veröffentlichung von über zwanzig Strukturreformberichten und die Umkehrung des über zwei Jahrzehnte gestiegenen Haushaltsverschuldungsgrads.
Grenzen der traditionellen Instrumente
Wirtschaftliche Stabilität und Wachstum sind laut Rhee zunehmend schwerer allein durch Geld- und Fiskalpolitik zu erreichen.
Strukturelle Veränderungen untergraben die Wirksamkeit traditioneller Instrumente, während die Erwartungen hoch bleiben.
Der Devisenmarkt sei ein Beispiel: Kapitalströme werden zunehmend von inländischen Akteuren beeinflusst.
Wechselkursmanagement allein durch Interventionen und Zinspolitik, ohne institutionelle Reformen, birgt das Risiko größerer Verzerrungen.
Auch niedrige Geburtenraten und geringes Wachstum erforderten strukturelle Reformen in Arbeitsmärkten und Bildung, nicht nur kurzfristige Maßnahmen.
Ein Vermächtnis für die Zukunft
Rhees Abschied unterstreicht die wachsende Erkenntnis, dass Zentralbanken über ihr traditionelles Mandat hinausdenken müssen.
Seine Forderung nach Strukturreformen ist ein klares Signal an die Politik, die tiefer liegenden Probleme Südkoreas anzugehen.
Für seinen Nachfolger bedeutet dies, nicht nur Krisen zu managen, sondern auch den Wandel aktiv mitzugestalten.
Quelle: Chang Yong Rhee: Farewell address
IN: