BOJ-Studie: Marktteilnehmer passen Geldpolitik-Wahrnehmung an Inflation an
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BOJ-Studie: Marktteilnehmer passen Geldpolitik-Wahrnehmung an Inflation an

Eine neue Studie der Bank of Japan (BOJ) zeigt, wie Marktteilnehmer ihre Wahrnehmung der geldpolitischen Reaktionsfunktion aktualisieren. Dies beeinflusst die Stabilität langfristiger Inflationserwartungen, insbesondere bei Zinsanhebungen.

Wahrnehmung der Geldpolitik ist zustandsabhängig

Die Studie schätzt die von japanischen Marktteilnehmern wahrgenommene geldpolitische Reaktionsfunktion anhand von Marktumfragedaten.

Ein zentrales Ergebnis ist, dass der Inflationskoeffizient in dieser Funktion nahe null liegt, wenn der Nominalzins durch die effektive Untergrenze beschränkt ist.

Dieser Koeffizient steigt jedoch während nachfolgender Zinsanhebungsperioden, was darauf hindeutet, dass Marktteilnehmer ihre Wahrnehmung der Geldpolitik an tatsächliche Politikänderungen anpassen.

Zudem bleibt der Inflationskoeffizient in der Gruppe mit langfristigen Inflationserwartungen, die vom Preisstabilitätsziel von 2 Prozent nach unten abweichen, auch bei jüngsten Zinsanhebungen niedrig.

Dies deutet darauf hin, dass diese Untergruppe eine längere Phase niedriger Zinsen erwartet.

Die Forscher betonen, dass die Wahrnehmung der Geldpolitik durch private Akteure zustandsabhängig ist.

Heterogene Erwartungen und makroökonomische Stabilität

Die Arbeit schließt eine Forschungslücke in Japan, indem sie die Eigenschaften der von privaten Akteuren wahrgenommenen geldpolitischen Reaktionsfunktion untersucht.

Sie analysiert, wie sich die Koeffizienten dieser Funktion im Laufe der Zeit ändern und wie diese Veränderungen die Stabilität langfristiger Inflationserwartungen beeinflussen.

Marktteilnehmer, die eine stärkere geldpolitische Reaktion auf Inflation annehmen, neigen zu stabileren langfristigen Inflationserwartungen um 2 Prozent.

Dieser Mechanismus, oft als 'automatischer Stabilisator' bezeichnet, trägt dazu bei, makroökonomische und Preisschwankungen zu mildern und die Wirksamkeit der Geldpolitik zu erhöhen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass die makroökonomische Stabilität und die Wirksamkeit der Geldpolitik im Laufe der Zeit variieren können.

Einblick in die Psychologie der Märkte

Diese Studie bietet einen wichtigen Einblick in die komplexen Mechanismen der Erwartungsbildung von Marktteilnehmern.

Die Erkenntnis, dass die Wahrnehmung der Geldpolitik zustandsabhängig ist und die Stabilität der Inflationserwartungen beeinflusst, ist für Zentralbanken von hoher Relevanz.

Sie unterstreicht die Notwendigkeit einer klaren Kommunikation, um die gewünschten Effekte der Geldpolitik zu erzielen.