Hypothekenmarkt: Kreditvergabe unter doppelter Straffung der Politik
Drei Ökonomen der Tschechischen Nationalbank (CNB) untersuchen, wie sich die Hypothekenvergabe im Zeitraum 2020-2023 unter dem gleichzeitigen Einfluss strafferer Geld- und Makroprudenzialpolitik verändert. Ihre Studie zeigt, dass die Kombination beider Instrumente die Kreditvergabe an finanziell stärkere Haushalte verschiebt.
Anpassungsspielräume unter Druck
Die Studie analysiert Kreditdaten aus der Tschechischen Republik von 2020 bis 2023, einer Phase, in der die Geldpolitik schnell gestrafft und anschließend die makroprudenziellen Grenzen für Beleihung (LTV), Schuldendienst (DSTI) und Verschuldung (DTI) wieder eingeführt wurden.
In der Anfangsphase der Straffung reduzierte die höhere Zinspolitik die Hypothekenvergabe, doch Anpassungen waren noch möglich: Neue Kredite wiesen höhere Anzahlungen und längere Laufzeiten auf, was den Anstieg der Finanzierungskosten teilweise abfederte.
Mit anhaltender Straffung und Wiedereinführung der kreditnehmerbasierten Limits verengten sich diese Anpassungsspielräume.
Liquiditätspuffer wurden aufgebraucht, und neue Kredite gingen zunehmend an finanziell stärkere Kreditnehmer mit geringerer Verschuldung und niedrigerem Ausfallrisiko.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Geldpolitik primär das Kreditvolumen reduzierte, während die Wiedereinführung der kreditnehmerbasierten Limits die Risikozusammensetzung der neuen Kredite verbesserte.
Dies unterstreicht die unterschiedlichen Wirkmechanismen beider Politikbereiche.
Wenn Instrumente sich überlappen
Die Untersuchung schließt eine Forschungslücke, indem sie die Funktionsweise kreditnehmerbasierter Maßnahmen (BBMs) in einem Umfeld steigender Zinsen beleuchtet, anstatt wie bisher nur unter Niedrigzinsbedingungen.
Die Autoren nutzen eine einzigartige Abfolge von geldpolitischer Straffung, gefolgt von makroprudenzieller Straffung, um die Interaktion dieser Instrumente zu analysieren.
Sie stellen fest, dass einkommensbasierte Limits, insbesondere DSTI, stark mit der geldpolitischen Straffung interagieren.
Mit steigenden Zinsen werden DSTI-Schwellen relevanter, was die Kreditaufnahmekapazität einschränkt und zu einer Umverteilung des Kredits weg von vulnerableren Haushalten führt.
Dies führt zu einer Abnahme des Anteils risikoreicher Kreditnehmer im neu vergebenen Kreditpool.
Ein Weckruf für die Policy-Gestaltung
Diese Studie liefert dringend benötigte empirische Belege für die komplexen Wechselwirkungen von Geld- und Makroprudenzialpolitik in einem strafferen Zinsumfeld.
Sie zeigt auf, dass die Kombination beider Instrumente unbeabsichtigt die Kreditvergabe für vulnerable Gruppen erschweren kann, was eine Überprüfung der regulatorischen Rahmenbedingungen erfordert.
Die Erkenntnisse sind somit ein wichtiger Beitrag zur Gestaltung zukünftiger, zyklusbewusster Finanzstabilitätspolitik.