Scotti: Digitales Geld braucht Vertrauensarchitektur
Chiara Scotti, stellvertretende Gouverneurin der Banca d'Italia, betont die fundamentale Rolle von Vertrauen und institutioneller Architektur für digitales Geld. Sie sprach auf einem Workshop zu digitalen Vermögenswerten und Geldpolitik.
Vertrauen ist die Währung des digitalen Geldes
Die Geschichte des Geldes lehrt uns immer wieder, dass seine Akzeptanz nie allein auf seinem intrinsischen Wert beruhte.
Selbst als Währungen aus Edelmetallen oder Waren zu stammen schienen, war es das Vertrauen – in Wert, Konvertibilität und breite Akzeptanz sowie in die dahinterstehenden Institutionen –, das ihre Nutzung wirklich aufrechterhielt.
Mit der zunehmenden Digitalisierung des Geldes, das zu einem elektronischen Signal oder einem Token auf einem Distributed Ledger wird, liegt die Versuchung nahe, sich auf neue Technologien wie Geschwindigkeit oder Programmierbarkeit zu konzentrieren.
Doch diese sind Attribute des Zahlungsinstruments, nicht die Quelle seines Wertes.
Was etwas zu Geld macht, hat sich nicht geändert: Es wird akzeptiert, weil man ihm vertraut, und man vertraut ihm, weil glaubwürdige Institutionen und Regeln dahinterstehen.
Die zentrale Frage ist daher, welche institutionelle Architektur Vertrauen, Resilienz und effektive Geldkontrolle gewährleisten kann, während sie gleichzeitig Innovationen begleitet.
Sieben Fragen für die Zukunft des Geldes
Scotti ordnet die Diskussion in einen breiteren analytischen Rahmen ein und listet CBDCs, Stablecoins und tokenisierte Einlagen als Hauptformen digitalen Geldes auf.
Sie betont, dass die Bewertung dieser Formen von Geld von ihren zugrunde liegenden Designmerkmalen und institutionellen Aspekten abhängt.
Entscheidend ist, ob diese Forderungen öffentlich oder privat, Inhaber- oder Nicht-Inhaber-bezogen sind und ob sie außerhalb der Kerninfrastruktur der Zentralbank abgewickelt oder in Zentralbankgeld verankert bleiben.
Stablecoins zirkulieren beispielsweise als übertragbare private Forderungen.
Tokenisierte Einlagen können hingegen die Logik des zweistufigen Geldsystems bewahren.
Diese Instrumente beeinflussen Bankfinanzierungsstrukturen, Marktliquidität und die Transmission der Leitzinsen.
Mehr als nur Technologie
Scotti's Rede zeigt: Digitales Geld ist mehr als Technologie.
Die Herausforderung liegt in einer robusten Architektur, die Vertrauen und Stabilität im digitalen Zeitalter sichert.
Diese Perspektive ist entscheidend, um Innovationen zu fördern, ohne Geldpolitik oder Finanzstabilität zu gefährden.